In Folge der getroffenen Verabredung erwartete der Baron den Grafen an dem folgenden Tage an einer unbesuchten Stelle der Promenade. Auch dieses Mal gab der Beamte einen Geschäftsgang vor und ließ Römer allein.

Nichts konnte diesem erwünschter kommen, und rasch schritt er der Gegend zu, woselbst er den Freund zu treffen hoffte. Seine Freude, diesen bereits seiner harrend zu finden, war groß, und herzlich umarmte er ihn.

Um nicht etwa durch den Beamten überrascht zu werden, hatte Römer diesem gesagt, daß er ihn auf dem Rückwege aus der Stadt abholen würde, und war dieserhalb das Nähere zwischen ihnen besprochen worden. Die Freunde waren daher sicher und konnten sich nach Belieben unterreden. Sie benutzten die so günstige Gelegenheit, indem sie des Grafen Interesse nochmals in allen Einzelnheiten erwogen und alsdann feststellten, daß der Graf durch den Freund sobald als möglich mit den erzielten Erfolgen bekannt gemacht werden sollte. Da dies jedoch nur durch eine persönliche Mittheilung ermöglicht werden konnte, so versprach der Baron, sobald er dem Grafen irgend eine Mittheilung von Wichtigkeit zu machen haben würde, sich wieder hieher zu begeben und ein ähnliches Zusammentreffen wie das gegenwärtige herbei zu führen.

Allerdings war es zweifelhaft, ob man dem Grafen auch noch fernerhin so viele Freiheit gestatten würde; doch mußte man in Ermangelung einer andern Gelegenheit, eine Zusammenkunft herbei zu führen, das Beste voraussetzen.

Bestätigte sich diese Annahme nicht, so blieb es dem Baron anheim gestellt, die besten Wege zu einem persönlichen Verkehr mit Römer ausfindig zu machen.

So manche Fragen und Wünsche wurden alsdann noch von Römer ausgesprochen, deren Beantwortung und Erfüllung ihm von hoher Wichtigkeit war, und so eilte die überdies nur kurz zugemessene Zeit rasch dahin, und da der Graf die Begleitung des Freundes nach der Stadt aus Vorsicht ablehnen mußte, so trennte er sich von ihm nach einem herzlichen Abschied, den die angenehme Aussicht eines zu hoffenden baldigen Wiedersehens weniger schmerzlich machte.

Der Beamte pflegte auf den Ausgängen gewöhnlich in einem auf ihrem Wege nach der Festung gelegenen Weinhaus anzusprechen und der Graf hatte längst errathen, welcher Art die von dem Erstern zu erledigenden Geschäfte waren. Auch heute traf er, wie verabredet worden war, daselbst mit seinem Begleiter zusammen, und es schien als ob diesem die Rückkehr seines Gefangenen viel zu frühzeitig wäre. Dennoch zögerte er mit dem Aufbruch nicht, da er des Grafen Pünktlichkeit kannte, und bald schritten sie der Festung zu, der Beamte in redseliger Laune, der Graf schweigend und mit seinen Gedanken beschäftigt.

Der Baron reiste noch an demselben Tage nach der Heimath des Grafen, um daselbst mit dessen Freunden und Verwandten die bei dem Fürsten zu thuenden Schritte zu berathen.

Es darf kaum erwähnt werden, mit welchen Empfindungen der Graf fortan seine Ausgänge fortsetzte, und wie sich mit jedem neuen Tage seine Spannung mehrte, da sich die Frist bis zu dem gehofften Wiedersehen des Freundes mehr und mehr kürzte und er denselben täglich zu treffen erwartete. Doch eine und die zweite Woche ging ihm also dahin, ohne daß seine Erwartungen erfüllt wurden; der Freund erschien nicht. In der dritten Woche erst sollte er freilich zu seinem großen Schmerz durch die über ihn verhängten Maßnahmen die Wirkungen der von seinen Freunden angestellten Bemühungen erfahren.

Eines Tages nämlich erschien der Commandant bei ihm und theilte ihm mit, daß er den Befehl erhalten habe, den Grafen nach einer andern Festung bringen zu lassen, und ihm bis zu dieser Zeit fernere Ausgänge nicht gestattet wären. Als Römer, darüber in hohem Grade bestürzt, nach der Veranlassung zu dieser Maßnahme fragte, vertraute ihm der Commandant, daß man wahrscheinlich höheren Orts vermuthete, der Graf habe die ihm hier gewährte Freiheit benutzt, mit seinen Freunden in Verbindung zu treten, indem er zugleich bedauernd die Voraussetzung hinzufügte, daß ihm in seinem künftigen Aufenthaltsort wahrscheinlich die ehemalige Freiheit nicht mehr gestattet werden würde.