»Eintreten!« befahl der Fürst, ohne sich in seinem Gange stören zu lassen.
»Nun, Boisière, was spricht man über die bewußte Angelegenheit?« fragte er, den eintretenden Kammerherrn mit einem leichten Nicken begrüßend.
Der Chevalier zuckte die Achseln und entgegnete:
»Hoheit werden es für unglaublich halten, wenn ich mich zu berichten beehre, daß das Vorurtheil zu Gunsten der Prinzessin spricht.«
»Wirklich! wirklich?!« fragte der Fürst.
»Die Welt will nicht an ihre Schuld glauben, obgleich dieselbe doch hinlänglich bewiesen ist. Allerlei Meinungen machen sich geltend. Man weist auf den seitherigen Lebenswandel der Prinzessin hin, glaubt denselben rühmen zu müssen, spricht von der Reinheit und Offenheit ihres Wesens, ihrer Schönheit, und selbst die Vernünftigeren wagen es, an die unglückliche Ehe zu erinnern und darin einen Entschuldigungsgrund für ihre sträfliche Leidenschaft zu finden.«
»Ich habe es mir gedacht! Die Welt ist wenig geneigt, in solchem Fall die fürstliche Autorität anzuerkennen. Das ist eine rechte Kost für Fraubasereien und was darum und daran hängt. Mögen sie klatschen; nicht ich, der Staatsrath hat entschieden. Hier ist die Sentenz!«
Mit diesen Worten wies der Fürst das Schreiben vor und fuhr alsdann fort:
»Ihre Berichte lassen mich die Wirkung derselben voraussehen; doch sei's d'rum! Es wäre mir allerdings angenehmer gewesen, hätte man diese Angelegenheit noch mehr cachiren können; denn es ist mir die Einmischung der Leute in dieselbe unangenehm. Doch die Sache läßt sich nicht ändern und so mag sie ihren Gang haben. Trotz aller Vorsicht wird der Inhalt der Sentenz bald bekannt werden; vermuthlich wird die Prinzessin selbst dafür sorgen; erforschen Sie, was darüber laut wird und welcher Art die Urtheile sind, damit man erforderlichen Falls dem Gerede einen Dämpfer aufsetzen kann. Der Zustimmung der Fürsten bin ich gewiß, besonders da auch der Bruder der Prinzessin, Herzog Friedrich, auf meiner Seite ist. Ein wichtiger Moment in dieser Sache. Hat man sich hinsichts des Grafen in den Adelskreisen beruhigt?«
»Leider muß ich das verneinen und vermuthe, man wird sich mit den bereits gemachten Vorstellungen nicht begnügen und Hoheit wahrscheinlich mit neuen Gesuchen angehen.«