»Ich hoffe dem durch diese Sentenz vorzubeugen,« fiel der Fürst rasch ein.

»Halten zu Gnaden, mein Fürst, wenn ich trotzdem die Meinung auszusprechen mir gestatte, daß sich des Grafen Freunde alsdann kaum weniger beruhigt fühlen dürften. Wenigstens vernahm ich Mancherlei, was mich zu dieser Voraussetzung bestimmte.«

»Mögen sie agitiren; es führt zu nichts. Indem durch diese Sentenz die Schuld der Prinzessin anerkannt ist, ist es auch diejenige des Grafen; das muß eingesehen werden, dem darf und soll man nicht widersprechen, und somit ist auch des Grafen verlängerte Haft gerechtfertigt. Es wäre mir allerdings lieber gewesen, hätte sich der Graf durch die Flucht den Verhandlungen entzogen; man würde weniger belästigt worden sein und die Angelegenheit wäre mit einem Schlage erledigt gewesen. So aber ist es anders. Der Graf zeigte keine Neigung, die ihm gebotenen Gelegenheiten zur Flucht zu benutzen, und beharrt voll Trotz darauf, vor einen Richter gestellt zu werden, da er seine Vernehmungen nicht für maßgebend anerkennt, ihn in der Haft zu halten. Er hat vor mehren Wochen einen stolzen, herausfordernden Brief an mich gesandt und sich erlaubt, mich an seine Adelsvorrechte zu erinnern. Der Adel ist, wie immer, anmaßend und pocht auf seine Vorrechte, sobald er sich in einer übeln Situation sieht. Er meint alsdann immer mehr als andere Menschen zu gelten, wenngleich er eben so schlecht wie sie ist. Ich weiß, daß ich durch meine Maßnahmen in das Wespennest des Adels geschlagen habe; mögen sie nun versuchen, wie weit ihr Stachel reicht; sie sollen sich hüten, mich zu verletzen!«

Der Fürst hatte mit Erregung gesprochen, ohne seinen Gang zu unterbrechen; er setzte diesen noch einige Augenblicke schweigend fort und fragte alsdann:

»Was vernimmt man von der Prinzessin? Haben Sie etwa erfahren, ob sie des Grafen Aufenthaltsort kennt und vielleicht mit ihm in geheimer Verbindung steht?«

»Ich bedaure, mein gnädiger Fürst, in dieser Beziehung nichts von Belang berichten zu können. Wie mir meine Leute aus dem Palais mitgetheilt haben, sind nur wenige fremde Personen zu der Prinzessin gekommen; ob dies etwa in des Grafen Auftrag geschehen, vermag ich nicht zu bestimmen. Betreffs der Prinzessin ist es Eurer Hoheit ja bekannt, daß sie ein stilles Leben führt, ziemlich sicher im Verhalten ist und keine Besorgniß über ihre Zukunft zu hegen scheint.«

»Diese Sicherheit verletzt mich eben. Ich würde die Angelegenheit milder erledigt haben, hätte sie sich zu einer Bitte verstanden, hätte sie Demuth und Unterwerfung unter meinen Willen gezeigt. Und ich hätte es gern gethan. Dagegen zeigt sie wie auch der Graf einen Stolz und Trotz, die in ihrer Situation durchaus unpassend und herausfordernd genannt werden müssen und nur zu sehr geeignet sind, mich zur ganzen Strenge gegen sie zu veranlassen. Sie haben es gewollt, so mögen sie es auch tragen!«

Der Diener meldete in diesem Augenblick den Prinzen, worauf der Fürst dem Chevalier noch einige Aufträge ertheilte, namentlich jedoch das Verlangen aussprach, Boisière sollte auch fernerhin die sich unter dem Adel geltend machenden Meinungen über die bekannte Angelegenheit erforschen und ihm darüber seiner Zeit Bericht abstatten. Alsdann entließ er ihn, und wenige Augenblicke darauf trat der Prinz ein.

»Ich vernahm, daß der Spruch gefällt ist —« bemerkte dieser.

»So ist es, und hier ist derselbe,« entgegnete der Fürst und reichte dem Prinzen das Schreiben. Dieser griff hastig darnach, öffnete und las dasselbe unter Zeichen der Aufregung, während der Fürst seine Blicke auf ihn gerichtet hielt.