Der Graf schritt an der geputzten und schwatzenden Menge vorüber und erreichte weiter wandelnd nach einiger Zeit einen Punkt, von welchem aus sich seinem Auge eine Fernsicht auf die zu dem Ausfluge bezeichnete Schloßruine darbot.
Dieser Umstand und die Schönheit des Landschaftsbildes veranlaßten ihn, an dem Ort zu verweilen und sich an der Aussicht zu ergötzen. Es befanden sich nur wenige Personen in seiner Nähe und er vermochte daher seine Absicht ziemlich ungestört auszuführen. Früher, als es ihm angenehm war, wurde er jedoch durch eine an ihn gerichtete Bemerkung darin gestört. Beim Hinwenden zu dem Sprechenden sah er einen fein gekleideten Cavalier, der sich, artig verneigend, mit höflichen Worten entschuldigte, ihn vielleicht in seinem Genuß gestört zu haben.
»Ich bemerkte,« fuhr der Fremde fort, »das von Ihnen verrathene große Interesse für diese Aussicht, und da ich dasselbe in hohem Grade theile, so freute ich mich, einen Gleichfühlenden zu treffen, deren es in unserer Badegesellschaft nicht eben viele giebt. Man zieht das Gesellschaftsleben hier dem Naturgenuß vor, denn man kann sich so schwer von dem Gewöhnten und Beliebten trennen!«
Der Graf wurde durch diese höfliche und seine gegenwärtigen Gefühle angenehm berührende Ansprache um so mehr erfreut, da es ihm Bedürfniß war, sich über die empfangenen Eindrücke auszusprechen, und ging daher auf die Unterhaltung ein.
Sich wieder der Aussicht zuwendend, gestand er, von deren Schönheit entzückt zu sein, und erbat sich von dem Fremden über einzelne Punkte gefälligen Aufschluß.
Dieser wurde ihm in der gütigsten Weise gewährt, worauf der Fremde die nahe liegende Vermuthung aussprach, daß Römer wahrscheinlich erst kurze Zeit hier sei, und daran die Frage knüpfte, ob er etwa gesonnen wäre, das Bad für längere Zeit zu benutzen.
Römer theilte ihm seinen vorüber gehenden Besuch mit, worauf der Fremde die Frage an ihn richtete, ob er etwa gesonnen wäre, die Schloßruine zu besuchen, indem er ihm zugleich diesen Ausflug als in jeder Beziehung lohnend anpries.
Der Graf wurde in Folge dessen veranlaßt, ihm sein Vornehmen in dieser Hinsicht mitzutheilen, da er es für besser erachtete, dasselbe nicht zu verheimlichen, da überdies auch sein Besuch jenes Ortes nicht verborgen bleiben konnte. Hierauf erbot sich der Fremde, ihm noch einzelne in der Nähe befindliche Anlagen zu zeigen, was der Graf gern annahm, worauf sie unter lebhaftem Gespräch weiter gingen.
Während dessen erkundigte sich der Fremde in durchaus nicht belästigender Weise nach dem Anlaß seines Besuchs, ob er denselben etwa wiederholen und vielleicht längere Zeit hier verweilen würde, indem er zugleich die schmeichelhafte Bemerkung hinzufügte, wie sehr angenehm ihm die Gegenwart des Grafen wäre, da sein Umgang hier nur auf sehr wenige Personen beschränkt sei.
Römer sprach das Bedauern aus, durch seine Verhältnisse an einem längeren Besuch des Bades behindert zu sein, verschwieg jedoch seine Absicht nicht, denselben zu wiederholen.