»O, meine arme, arme Freundin!« rief Aurelie in Thränen ausbrechend, indem sie die Prinzessin umschlang.
»Um Gott, sage, was Dich bewegt!« rief Sidonie in gesteigerter Besorgniß.
»Lies seine Worte,« entgegnete Aurelie leise und deutete auf diese hin.
Zitternd vor angstvoller Erregung that Sidonie das; in dem nächsten Augenblick entfiel das Blatt ihren Händen, und mit dem Ausruf: »Mein Kind, mein Kind!« schlang sie hastig die Arme um ihre sich an sie schmiegende Tochter und drückte diese unter einem hervor stürzenden Thränenstrom innig und fest an sich, indem sie ihr Antlitz auf deren Locken sinken ließ und diese mit Küssen bedeckte.
Es trat eine kurze Stille ein, die nur das Weinen der Frauen unterbrach.
Das Kind blickte besorgt zu der Mutter auf und fragte:
»Warum weint chère mama?«
»Weil sie mich von Dir trennen, Dich mir für immer nehmen wollen!« fiel Sidonie fassungslos ein, das Kind noch heftiger küssend.
»Ich soll nicht bei Mama bleiben?«
»Sie werden Dich fremden, lieblosen Händen übergeben und Dich zu einer höfischen Puppe bilden, Dein weiches Herz verhärten für das Gute und Edle und die Reinheit Deiner Seele trüben. Und ich soll fern, fern von Dir sein, Dich nicht mehr behüten dürfen vor den Gefahren, die Dich hier umlauern. O, mein Gott, mein Gott! Das vermag ich nicht!«