»Ich bedaure, durch meine Leiden an Ihrem früheren Empfang verhindert worden zu sein,« bemerkte der Fürst mit einer gewissen Verlegenheit.
»Um so mehr danke ich Ihnen, mir denselben heute bewilligt zu haben; es ist mir das ein Beweis, daß Sie selbst in dem Verurtheilten noch immer den Menschen berücksichtigen.«
»Zweifelten Sie daran?« fragte der Fürst rasch.
»Ich glaube Gründe dazu zu besitzen, denn es hat Ihnen nicht gefallen, meine Muttergefühle zu beachten.«
»Die Wünsche des Prinzen waren in diesem Fall maßgebend,« fiel der Fürst etwas erregt ein.
»Sie wären es gewesen, hätte der Prinz seiner Tochter seither die Liebe eines Vaters bewiesen, denn nur die Liebe und Sorge berechtigt zu dergleichen.«
»Ihre Tochter wird den besten Händen anvertraut werden,« bemerkte der Fürst.
»Wer vermöchte einem Kinde die Mutter zu ersetzen? Ueberdies übersah man, als diese Maßnahme beschlossen wurde, daß durch dieselbe nicht nur ich, sondern auch das Kind schmerzlich getroffen wurde.«
»Dieser Vorwurf fällt auf Sie zurück, da Sie selbst die Urheberin dieses Arrangements sind.«
Sidonie wurde durch diese Erinnerung schmerzlich getroffen; ihr ganzer Unmuth über die erfahrene ungerechte Strafe erwachte in ihr und drängte sie, sich dem Fürsten gegenüber geltend zu machen; doch die Liebe zu ihrem Kinde und der heiße Wunsch, sich dessen Besitz sichern zu können, ließ sie ihre Empfindungen beherrschen und nahm ihr das Wort von den Lippen.