Nur ein Theil des höheren Adels, der dem Grafen Römer anhing, protestirte ziemlich offen gegen die hinsichts des Letzteren ausgeübte Maßnahme und nahm keinen Anstand, selbst die Verbannung Sidoniens als ungerecht und Beide als die Opfer einer wohl berechneten Intrigue zu bezeichnen.

Viele zogen sich von dem Hofe zurück, wozu der nahende Lenz eine sehr passende Gelegenheit darbot; Viele auch, denen dies nicht gestattet war, mieden es, an dem Hofe zu erscheinen.

Der Fürst, mit Alledem vertraut, setzte ihnen sein ganzes oberherrliches Ansehen entgegen und sah sich dadurch sogar veranlaßt, gegen Römer mit größerer Strenge zu verfahren, als dies unter entgegengesetzten Umständen geschehen wäre.

Und sein Verhalten erzielte in Verbindung mit der Alles ausgleichenden Zeit und Gewöhnung die erwünschte Wirkung.

Sidonie war in wenigen Wochen, wenigstens in der Residenz, vergessen, und der Adel murrte zwar, begnügte sich jedoch damit, da die früheren Schritte bei dem Fürsten in Römer's Interesse fruchtlos gewesen waren.

Ja, des Fürsten beharrliches Verhalten führte sogar noch den übeln Erfolg herbei, daß man selbst in diesen Kreisen allmälig den Glauben an Römer's Schuld gewann und sich mit demselben das Interesse für ihn minderte. Auch dieser Umstand entging dem Fürsten nicht und er wurde dadurch sehr befriedigt. Trotzdem erachtete er es für vortheilhaft, durch eine baldige Vermählung des Prinzen die stattgefundenen Vorfälle rasch der Vergessenheit zu übergeben, und Boisière wurde darum beauftragt, einige Höfe in diesem Interesse zu besuchen. Daß der Kammerherr dieses Mal mit der höchsten Vorsicht zu Werke ging, darf kaum bemerkt werden; dennoch gelang es ihm in kurzer Zeit, sich seines Auftrages in der erwünschtesten Weise zu entledigen, und bald verbreitete sich die Nachricht von der Neuvermählung des Prinzen und nahm namentlich bei Hofe das allgemeinste Interesse in Anspruch.

Wir wissen, daß der Prinz sich schon früher mit einer Vermählung einverstanden erklärt hatte, und er wandte gegen dieselbe um so weniger etwas ein, da ihm seine künftige Gemahlin in jeder Hinsicht zusagte und er vor allen Dingen von dieser eine Mißbilligung seiner Liaison mit Marianen nicht zu fürchten hatte.

Dieser Umstand war ihm gerade jetzt von Wichtigkeit.

Mariane hatte nämlich seinen Vorschlag hinsichts einer Vermählung mit dem ihr empfohlenen Gemahl entschieden abgelehnt und verlangt, in ihrer Villa zu wohnen, in Folge dessen sich der Prinz bewogen fand, ihr die Rückkehr nach seiner erfolgten Vermählung in Aussicht zu stellen.

Damit gab sich das Mädchen zufrieden, überzeugt, daß nun auch einst ihre ehrgeizigen Wünsche erfüllt werden würden.