Dem Prinzen hatte ihre Weigerung, sich zu vermählen, gefallen, dieselbe steigerte zugleich sein Verlangen, sich bald ihrer Nähe wieder erfreuen zu können, und so war er bedacht, seine Vermählung zu beeilen. Kaum einen Monat nach derselben begrüßte er die Geliebte in der jetzt mit großer Pracht ausgestatteten Villa. Trotz des Besitzes einer neuen Gattin fühlte sich der Prinz durch Mariane im höchsten Grade entzückt, da sie ihm noch vielfach reizender als früher erschien, indem sie die gewonnene geistige Ausbildung sehr vortheilhaft zu benutzen verstand. Wenige Wochen des Umgangs mit ihr reichten hin, ihn ihrer Herrschaft ganz und gar unterzuordnen; denn das Mädchen hatte sich nicht nur körperlich ausgebildet, sondern auch alle diejenigen Künste angeeignet, welche dem Prinzen ganz besonders gefielen und ihr einen leichten Sieg über den Schwächling und Sinnenmenschen gaben.
Da die Gemahlin des Letzteren die Liaison ihres Gatten nicht beachtete, so übersah auch der Fürst dieselbe, durch das eheliche Verhältniß seines Neffen durchaus zufrieden gestellt.
Daß Mühlfels fortan in noch erhöhterem Maß des Prinzen Freundschaft genoß, darf kaum bemerkt werden; der Fürst verlieh ihm zwar einen höheren Militärrang, suchte ihn jedoch von sich fern zu halten und beehrte ihn niemals durch eine Ansprache.
Er überließ es seinem Neffen, sich dereinst mit dem Baron abzufinden, was auch später in der glänzendsten Weise geschah. Nicht minder gütig erwies sich der Prinz gegen die Baronin, die er zur Oberhofmeisterin seiner neuen Gemahlin erhob. Zugleich trat die Baronin in ein vertrauliches Verhältniß zu Marianen, was der Prinz wünschte und wofür er sich allezeit sehr dankbar zeigte.
So erntete diese Dame den ihr gebührenden Lohn im vollsten Maß.
Wir kehren jetzt zu Sidonien zurück.
Sie hatte sich in ihrer Erwartung nicht getäuscht. Kaum lag das Palais und die Residenz hinter ihr, so athmete sie beruhigter und freier auf. Mit Wonne sog sie die linden Frühlingslüfte ein, welche zu ihr drangen. Vor Allem war es das Gefühl der Freiheit, das sie mit wunderbarer Kraft durchdrang.
Den ganzen Schmutz der Gemeinheit und Unsittlichkeit, der seit Jahren ihre Seele verletzte, ließ sie hinter sich und badete diese jetzt in dem reinen Aether der göttlichen Natur.
Das erhob, beseligte ihr Herz, das ließ sie die Trennung von ihrem geliebten Kinde weniger schmerzlich empfinden. Um wie vieles glücklicher würde sie sich gefühlt haben, hätte das Geräusch eines nachrollenden Wagens sie nicht erinnert, daß ihre Freiheit durch die ihr mitgegebenen Damen getrübt wurde und sie sich nicht dem ganzen Vollgenuß derselben hingeben durfte. Wäre sie nur mit Aurelien allein gewesen, so würde sie sich ganz befriedigt gefühlt haben. Doch sie wurde durch die Fahrt so sehr in Anspruch genommen, daß sie diesen Umstand nicht weiter erwog. Der Tag war schön; die Sonne leuchtete, die ersten Lerchen ließen ihren Gesang ertönen, und die dunkeln Wälder färbte bereits ein grüner Knospenschimmer. Das Alles that ihrem armen Herzen so wohl.