Herr G. Machen Sie die Verkaufsrechnungen für die Herren B. und L.
Diener. Es ist bereits geschehen, Abrechnungen für Beide sind fertig.
Herr G. Wie ist die für B?
Diener. Es bleiben 25 Procent reiner Gewinn.
Herr G. (Mit Erstaunen) 25 Procent? Aendern Sie dieselbe; 25 Procent ist zu viel, der Mann kann sich mit 8 Procent begnügen; — und des Ls. Rechnung?
Diener. Der arme Teufel verliert 11 Procent.
Herr G. Aendern Sie auch diese; lassen Sie ihn 18 Procent verlieren, denn 7 Procent mehr oder weniger kann für den Mann keinen wesentlichen Unterschied machen.
Mein Commissionair M... macht es indessen keinesweges wie Herr G.; er steht im Ruf eines reichen, daher großen Mannes, der dergleichen Abrechnungen nicht selbst macht, es vielmehr seinen Commis überläßt; sein Hauptgeschäft ist das mit — Fleisch! Die Leser würden ihn jedoch unrichtig beurtheilen, wenn sie ihn für einen Shylok halten wollten. Keinesweges! Mit Kleinigkeiten giebt sich derselbe nicht ab; er erhält von Montevideo Ladungen des benannten Artikels, den er centnerweise abzusetzen versteht. Genug! Er ist Einer von den Commissionairen, von denen man sagen könnte: Man kann sein Fleisch durch ihn los werden! er ist ein vortrefflicher Mann, der nicht, wie Shylok selbst tranchirt, sondern tranchiren läßt. Er ist von seinen Abnehmern geschätzt, weil er nicht wie die meisten, die das animalische Geschäft treiben, es mit den Käufern verdirbt. Waaren, welche verkauft sind, werden, wenn sogar der Verkauf schriftlich abgeschlossen wäre, als unverkauft angesehen, wenn es dem Käufer einfällt, einen Abzug zu fordern. Besteht der Europäer auf Erfüllung des schriftlichen Contracts, so erwiedert der Herr Fleisch-Inhaber: Hier ist der Contract, prozessiren Sie mit dem Käufer, ich tranchire, wie Sie wissen, nie selbst etc. Ergo! ich wiederhole, für Europäer können überseeische Geschäfte nie vortheilhaft ausfallen, weil die Commissionaire im glücklichsten Fall 12½ Procent haben müssen, und bei der starken Concurrenz nicht zu erwarten ist, daß zwei Procent verdient werden können. In früheren Zeiten, als es nur wenige Häuser hier gab, welche hin und wieder eine Consignation erhielten, traf es sich zuweilen, daß an einem Artikel 25 Procent verdient wurden, wovon der Commissionair großmüthigerweise seinem europäischen Freund den ⅛ Theil zufließen ließ. Aber solche Fälle können jetzt nicht wieder vorkommen. Die Waarensendungen müssen wenigstens um die Hälfte vermindert werden. Die europäischen Kaufleute würden sehr wohl daran thun, ihre Waaren, wenn sie auf diese zu sehen überdrüssig sind, in einen abgelegenen Raum eine Zeitlang zu verschließen. Besser diese in Europa unter eigenem Schloß und Riegel, als in Havana, oder sonst wo in den Räumen der Bremer zu haben, wodurch der ganze Belauf aufgerieben wird. Der Denkwürdigkeit wegen will ich aufzählen, was ich selbst von europäischen Waaren für den Betrag von 98 Piaster einem Mercader habe verkaufen und überliefern sehen; es waren folgende: 6½ Dutzend Toiletten und Arbeitskästchen für Damen; 300 Dutzend Mund-Harmonika’s mit Elfenbein-Fourniren; 200 Dutzend Blumen-Guirlanden, für Negerinnen berechnet; viele Dutzend Rosen, Windsor-Seife und Seifenpuder, nebst mehreren Dutzend von wohlriechenden Oelen und Wassern in geschliffenen Gläsern.
Auf die letztern Artikel setzte der Käufer gar keinen Werth, und schenkte Mehrern der Anwesenden 1 Dutzend Seifen, und mehrere Flaschen von den wohlriechenden Oelen und Wassern, auch ich wurde auf diese Weise beschenkt, und dürfte vielleicht ein größeres Capital erlangt haben, als der Eigenthümer obiger Waaren, nach Abzug der Steuer-Provision, Del credere etc. erhalten wird.