So lange der Sclavenhandel in Westindien mit so gutem Erfolg, wie bisher wird betrieben werden, darf sich Niemand von allen Spekulanten ein besseres Schicksal versprechen, als derjenige hatte, dessen Waaren, wie vorhergehend gezeigt, für 98 Piaster verkauft worden sind. Wer denkt wohl daran, sein baares Geld auszuthun, um Waaren, welche der Mode und Conjunctur unterworfen sind, anzukaufen, wenn er sein Capital, im Handel mit Menschen ausgethan, in einem Jahr doubliren kann? In diesem Artikel giebt es zu viele Spekulanten. Ich sah 720 Sclaven im Total-Werth von 275,400 Piaster in einem Zeitraum von 2 Stunden verkaufen, und einen großen Theil davon wiederum en Detail mit einem Gewinne von 8–10 Unzen absetzen. Dem Rindvieh gleich, werden diese Unglücklichen alsdann vom Marktplatz nach der Käufer-Wohnung gebracht. So lange also der Handel mit Menschen solchen bedeutenden Gewinn abwirft, wird der hohe Zinsfuß stattfinden, und das Fabrikwaaren-Geschäft kein Gedeihen finden, weil stündlich zum Discontiren solcher Wechsel, welche aus den Geschäften mit Menschen entsprungen sind, bedeutende Summen gesucht werden. wofür sehr hohe Zinsen gestattet werden können, da 8–10 Unzen Gold pro Kopf gewonnen werden. Die meisten Sclaven werden jetzt zur Anlegung von Zucker-Plantagen benutzt, indem diese gegen jede Executions-Gewalt geschützt und unantastbar sind. Man hat Beispiele, daß Caffee-Plantagen in dem Augenblick, als sie subhastirt werden sollten, in Zucker-Plantagen umgeschaffen wurden und ihrem Umsturz entgingen. Epidemische Krankheiten machen, wie es damals bei der Cholera war, die reichsten Sclavenbesitzer zu Bettlern.
Der Getraidebau ist von der Regierung untersagt. Alles für Cuba erforderliche Mehl wird von den V. S. in Fässern von 165 Pfund Gewicht jedes Faß eingeführt. Der Einfuhrzoll war stets 9½ Piaster pro Fäßchen, seit dem Kriege in Spanien ist er 10½, der aber erst 6–8 Monate nach Empfang des Mehls erlegt wird. Für den Belauf des Zolles sind die Empfänger verbunden, Pagarées (Wechsel) auszustellen. Man kann mit Gewißheit sagen, daß im Durchschnitt an jedem Faß Mehl zwei Piaster verloren werden. Indeß verstehen es die Verkäufer, sich, da das Mehl pro Cassa verkauft wird, beim Placiren dieser Gelder durch hohe Zinsen und durch Schmuggelei für jenen erlittenen Verlust zu erholen! indem sie 2–3 Procent Zinsen pro Monat nehmen, welches, wenn die Hälfte des Mehls geschmuggelt ist, und dies ist gewöhnlich der Fall, einen guten Gewinn erzeugt.
Nach dem bisher Erzählten und Dargestellten, wird sich der geneigte Leser nicht wundern, wenn ich mein Vorhaben, mehrere westindische Inseln zu besuchen, um Geschäfte und Gewerbe daselbst zu prüfen, wieder aufgab. Mit großen Erwartungen war ich hierher gereist und wiederholt war ich zum Reisen aufgefordert worden, „um den Geschmack des Landes kennen zu lernen.“ Doch worin besteht hier der Geschmack? In nichts Anderem, als die Waaren für die Hälfte des Fabrikpreises zu bekommen: wird doch von den Negerinnen nur buntes Zeug verbraucht; die Damen aber sitzen stets in weißen und knieen in schwarzen Kleidern. Die Mercaders sind, wie schon angeführt, ganz einig und bieten für die allerneuesten Gegenstände nie mehr, als die Hälfte des Fabrikpreises, in der Ueberzeugung, daß sie, wenn nicht jetzt, doch später den Artikel erhalten. Ob derselbe alt oder neu ist, darum kümmern sie sich nicht sehr, denn dem Publikum erscheint jeder Artikel in ihren Läden neu; wenn er auch wirklich ganz veraltet ist. Europäische Spekulanten irren daher bedeutend, wenn sie ihre in Commission geschickten Waaren als veraltet betrachten und für die Hälfte des Werthes verkaufen lassen; sie würden besser daran thun, dieselbe nach Europa zurückgehen zu lassen, wie es in der letzten Zeit auch Mehrere wirklich gethan haben; sie würden hierdurch den kenntnißlosen Commissionair des Urtheils überheben; „diese Waaren sind über den doppelten Werth facturirt gewesen!“ denn dies glaubt derselbe, wenn der Europäer, aus Furcht, daß seine Waare veraltet und werthlos sei, die Ordre giebt, sie mit Verlust des halben Werthes zu verkaufen.
Meine Verhältnisse hierselbst waren von der Art, daß ich mir wenig Erfreuliches versprechen durfte; ich beabsichtigte ja, mein Eigenthum zu vertheidigen, d. h., die Commissionaire, mit denen ich nun einmal in Verbindung war und bleiben mußte, zu kontrolliren. Daß diese meine Absicht nicht lange verborgen bleiben konnte, ist leicht zu erachten und daß sie die Laune derselben verderben und sie gegen mich aufbringen mußte, ist eben so einleuchtend. Herren und Diener, Neger und Trabanten, Alle, ausgenommen die Spanier, welche meistens brav sind, wurden meine Feinde und begegneten mir mit einer Gleichgültigkeit, die mir freilich auch sehr gleichgültig war. Einer meiner Commissionaire, der Sohn eines sehr reichen Mannes, welchen sein Vater in der Absicht in Havana etablirt hatte, um aus anderer Leute Leder Riemen zu schneiden, ohne Zweifel aber besser gethan hätte, ihn zu Hause zu behalten, um ihn zum Riemenschneider für sich und seine ledernen Geldsäcke auszubilden, war mein größter Feind, weil ich ihm in einem Schreiben erklärte, daß ich nicht mit 25,000 Cigarren für eine mir schuldige Summe von 2000 Rthlr. zufrieden sei und daß ich, trotz seiner schriftlichen Anzeige, über diesen Gegenstand nicht mehr correspondiren zu wollen, — „weil sonst seine Geduld ausrisse“ — mich der Correspondenz durch die Behörde nicht enthalten würde.
Ein sehr achtungswerther Spanier, dem ich meine Lage im Verhältniß zu den hiesigen Deutschen mittheilte, schlug mir vor, mich einem einflußreichen Advokaten, Namens A.s zu empfehlen, was ich mit Freuden annahm. Der Advokat bezeigte viel Theilnahme, erklärte sich bereit, mir zu dienen und fand das Benehmen des Commissionairs „abscheulich.“
Hierbei ist zu bemerken, daß die Advokaten hierselbst nichts thun als instruiren; die Geschäfte in den Gerichtshöfen besorgen die Prokuratoren, die sich deshalb in den Morgenstunden bei den einflußreichen Advokaten einfinden und um Beschäftigung nachsuchen. Dieser Umstand trägt sehr dazu bei, die Prozesse in die Länge zu ziehen, denn die Prokuratoren verständigen sich oft sehr bald mit den Beklagten, wovon der beste gerechteste Advokat nichts wissen kann. Aus demselben Grunde und weil jedes Blatt Papier in Prozeß-Angelegenheiten gestempelt sein muß, werden die Prozeßkosten sehr hoch; es giebt Prozesse, zu welchen für 10,000 Piaster Papier verbraucht wird.
Die Vollmacht, welche ich mir zunächst von einem Notar mußte anfertigen lassen, kostete mir 17 Piaster, das Uebersetzen der Briefe u. s. w. ins Spanische 1 Unze; Herr A.s übernahm sie mit Freuden und meinte, in Zeit von 4 Wochen sollte ich meinem Ziel recht nahe sein.
Meine Prozedur wurde bald stadtkundig und der Haß der Deutschen nahm so zu, daß Wenige nur noch mit mir zu sprechen wagten. Obgleich ich mir hieraus wenig machte, so konnte ich doch nicht umhin, meine Lage unangenehm zu finden. Da stand ich ganz allein in einem fremden Lande, der Sprache unkundig, mit einer Parthie Waaren, die ich verkaufen wollte und keiner von allen Commissionairen wollte etwas mit denselben zu thun haben. Ich suchte Käufer und fand solche, jedoch wiederholt zerschlugen sich die Verkäufe, wenn die Waaren abgeliefert werden sollten. Welcher böse Dämon hierbei sein Wesen trieb, war mir zu ermitteln stets unmöglich. Einst hatte ich einen Handel mit einem Mexikaner und zwar mit einem sehr fühlbaren Verlust abgeschlossen. Als er mit mir nach dem Depot zum Empfang gekommen war und die Kattune in den Kisten, die geöffnet werden mußten, von gewöhnlicher Breite erblickte, trat er vom Handel zurück, weil er (vorgeblich) dieselbe Waare von doppelter Breite für 14 Sgr. pro Staab gekauft hätte.
Jetzt suchte ich einen Sclavenhändler auf, welche gewöhnlich viel Waare kaufen und offerirte ihm Artikel, indem ich ihm die Proben vorwies, aber er bot so wenig darauf, daß ich die Hoffnung aufgab, mit ihm einen Handel abschließen zu können; Ein spanischer Don-Mäkler M...m, der, wie Viele, dies Metier unerlaubter Weise treibt, weil er die Summe von 2000 Piastern, die hierfür zu bezahlen sind, nicht anschaffen kann, hatte mir auf den Dienst gepaßt. Er meldet sich bei mir, fordert Proben — und versichert mir, daß ein großer Theil meines Vorraths bald durch ihn abgesetzt sein solle. Proben aus den im Depot befindlichen Kisten zu nehmen, ist eine schwere Aufgabe, indessen es war mir daran gelegen, die Kosten dieser Prozedur kennen zu lernen und siehe da! ich mache dasselbe für etwa 15 Sgr., wofür die braven Commissionaire 6 Piaster in Rechnung zu stellen sich nicht schämten. Dieser Vorfall bringt mich zum Entschluß, eine Parthie Cigarren selbst zu verschiffen und was ergiebt sich? Daß ich diese Verschiffung mit einem Kosten-Aufwand von 2 Piastern besorge, während daß der Fleisch-Inhaber M... dafür 24 Piaster und 4 Realen berechnet hatte. Zwei große Geister wurden hierbei durch meinen Heroismus in Erstaunen gesetzt: 1stens der Don-Mäkler, weil ich mich nach dem Depot auf meinen eigenen und nicht auf Esels- oder Maulthier-Füßen hinschaffte und die Proben unterm Arm tragend mitbrachte — was in Havana, wie der Mäkler meint, noch nicht vorgekommen ist. Der Fleisch-Inhaber war wegen der in Rechnung gestellten 24 Piaster mit sich selbst in Uneinigkeit und meinte, da er nicht selbst tranchire, daß ich mich mit diesem kleinen Anliegen an seinen Commis wenden müsse. Dies geschah und ein vom Fleisch-Inhaber wohlgenährter korpulenter Commis ertheilte mir die Antwort, daß jener, in Berücksichtigung meiner Gegenwart, die mit vielen Strapazen verbunden sei, die Hälfte der 24 Piaster erlassen wolle — als besondere Gnadenbezeugung, wobei keine Umänderung der Rechnung stattfinden könne.
Unterdessen hatte der Don-Mäkler, ungeachtet meines Verbots, die Proben dem Sclavenhändler gezeigt und mit ihm einen Handel abgeschlossen, ohne mir den Namen des Käufers zu nennen. Ich erfuhr ihn erst, als ich von ihm in einem Schreiben die Baarzahlung ausdrücklich bemerkt zu wissen wünschte. Da erfuhr ich denn, daß ich für den Werth von 2000 Piastern auf verschiedenen Sclaven-Schiffen Actien an Zahlungsstatt annehmen müsse; ich sollte also Sclavenhändler werden. Ich hatte ungemein vielen Verdruß, sowohl mit dem Käufer als dem Mäkler, willigte indeß zuletzt ein, nachdem ich jene Actien mit einem Verlust von 10 Procent verkauft hatte; — unmittelbar nachdem ich das Geld empfangen hatte, nahm ein englisches Kriegsschiff Besitz von einem der Schiffe, woran ich eine Actie hatte.