Jedes Forschen, welches nicht aus Neugierde, sondern aus Wißbegierde entspringt, ist ein eben so mühseliges als undankbares Geschäft; es erfordert immer einige Selbst-Aufopferung, wird jedoch selten, obgleich es das Beste der menschlichen Gesellschaft zum Gegenstand hat, nach seiner löblichen Absicht gewürdigt. — Was die Leser auch von meinen Nachforschungen denken mögen, so habe ich selbst doch das ruhige Bewußtsein, daß ich die kaufmännische Gesellschaft gegen Diebereien in Westindien zu schützen beabsichtigte.

Aus dem Bericht des Ober-Tribunals, der eigenhändig vom Gouverneur unterzeichnet wurde, ergab sich also aufs bestimmteste, daß der mit dem Buchstaben M... bis jetzt von mir bezeichnete Commissionair Moyer in Havana sehr viele von meinen Waaren eingeschmuggelt hat, „indem die Collys,“ wie der Bericht lautet, „weder in den Schiffer-Manifesten, noch in den Büchern zu finden seien.“ Erwäge nur der Leser, was den höchsten Staatsbeamten Cuba’s bewog, diesen offenbaren Betrug ganz zu übersehen! Ist er vielleicht in Hinsicht der Zollbeamten mit Friedrich dem Großen einverstanden, der bei einem ähnlichen Gesuch äußerte: „ein schlechtes Pferd ist dasjenige, welches an einer mit Hafer gefüllten Krippe steht und nicht frißt!“ Wir wollen dem Leser die oben angeführten Bemerkungen des jungen Spaniers ins Gedächtniß zurückrufen, denn von den veruntreuten 11–12 Millionen Francs bleibt doch ohne Zweifel ein großer Theil an den Händen der Douaniers kleben.

Wie sollte der Gouverneur und wie durfte er handeln, wenn er nicht die ganze Maschine ins Stocken bringen wollte? Den Moyer zur Verantwortung ziehen, hieß nichts anderes als das ganze Personal des Packhofs in Anklage-Zustand versetzen, und was dann? Wo Leute hernehmen zum Betrieb des Packhofs-Geschäfts. Ich zweifle nicht, daß der Gouverneur, dem die ganze Regierung in Cuba obliegt, dem von Madrid aus die strengsten Instructionen zur Abschaffung von Mißbräuchen ertheilt worden sind, nach Lesung jenes Berichts den Nutzen für die Regierung daraus gezogen hat und gewiß sehr bald etwas thun wird. Dies darf ich wohl aus seinem Benehmen folgern. Nachdem er nämlich einen schriftlichen Aufsatz über Vereinfachung und Verbesserung der Douanen von mir verlangt und ich seinen Wunsch erfüllt hatte, fand dieser Aufsatz in seinem Hute Platz, wohin, wie mir gesagt wurde, alle schriftlichen Eingaben kommen, welche seine besondere Aufmerksamkeit rege machen.

Eilf bis zwölf Millionen, sagte der junge Spanier, werden jährlich veruntreut. Sehr viel! Unglaublich! dürfte mancher Leser denken. Wogegen ich behaupte: nicht viel! wenn man hiermit die Diebereien vergleicht, welche sich die dortigen Commissionaire gegen ihre europäischen Handelsverbündeten erlauben. Zur nähern Beleuchtung dieser Behauptung will ich die Mantelstoffe zum Thema nehmen und klar beweisen, wie viel die beiden Commissionaire Moyer und Dakin dabei geschluckt haben.

Piaster Realen
Moyer nimmt von mir eine Summe von
wofür er angeblich 2 Procent vom Werth Strafzoll erlegen mußte, weil die darüber sprechende Factura zu spät eintraf.[B]
 50 2 
Dakin nimmt für dieselbe Waare an Kriegssteuer  34 – 
Für Geschenk an den Douanier wegen Erlassung der Strafe, wie früher erwähnt 102 – 
Für Steuer à 1 Real pro Vara 138 1 
Für die Provision  42 1 
Für andere Packhofsgebühren (wie billig!)  19
Ich zahlte mithin für eine Parthie Waaren, wofür ich 1241 Piaster ausgezahlt erhielt, wie nebenstehend 485

obgleich die Commissionaire gemäß der Bescheinigung des Ober-Tribunals gar nichts bezahlt hatten, und somit floß diese ganze Summe in die Tasche der Commissionaire. Dies beweist mithin meine frühere Behauptung, daß man mit Zurechnung der Spesen von Europa bei Sendungen nach Westindien stets auf 50 Procent Unkosten gefaßt sein muß.

Jetzt bleibt mir noch zu beweisen übrig, wie hoch sich die von Moyer in Rechnung gestellten Zölle belaufen und wie viel er nach der Bescheinigung des Tribunals davon für sich erbeutet hat.

Piaster Realen
Was er mir berechnete, beläuft sich auf nicht mehr und nicht weniger, gemäß dessen eigenhändig unterzeichneten Rechnungen 291
Und wie viel hat er nach der Bescheinigung des Tribunals für jene benannte Summe bezahlt? Auch nicht mehr und nicht weniger als  58
Er kürzte mithin die Revenuen der Regierung um 232 8 

Es ist jetzt noch meine Schuldigkeit, zu beweisen, daß es nicht allein in Havana, nein! daß es, wie ich behauptet habe, in ganz Westindien in dieser Hinsicht nicht besser ist. Zu diesem Endzweck und zur Einsicht für jeden nach der neuen Welt Handelslustigen will ich eine Verkaufs-Rechnung über 450 Stück Kattun nach Mexico über Vera-Cruz im Belauf von 4500 Piaster des wirklichen Verkauf-Preises liefern. Sie ist wie folgt: