¾ Vara breite Kattune.

10 Ballen à 45 Stück in jedem Ballen, à 10 Piaster jedes Stück 4500
Unkosten in Vera-Cruz.
Seefracht   28
Seezoll 12,600 Yd. oder 13,608 Vara mit 8 Proc. 1701
Internation à 10¾ –  283 4
Vermehrung à  3½ –   56 5
Introduction etc.   35
H. M. Gebühren    2 4
2106 5
Prämie 4 Procent   84 2
2190 7
Transport 4500
Transport 2140 7
Landfracht  110
Alkials 16⅔ Procent  283 4
Kleine Kosten und Porto’s    6 4
Courtage   ½

 180
Del credere  2½
Lagermiethe  1½
Provision  7½  337 4
3108 3
Verbliebe mithin für den Versender ein reines Provenue wie zeigt von Piaster 1391 5

Nach diesen klaren Aufstellungen werden es die geehrten Leser natürlich finden, daß mein Haß gegen die hiesigen Commissionaire einen guten Grund hatte und nach dieser Erfahrung noch stärker wurde, so daß ich ihnen ohne Rückhalt sagte: „ihr seid Diebe!“ Hierüber wurde ich von Mehreren zur Rede gestellt, besonders aber von einem in Bordeaux geborenen Deutschen, dem Compagnon eines angesehenen Spaniers und einem Schottländer N.. Der Erstere meinte, der Europäische Kaufmann könne nichts dagegen haben, wenn sich die hiesigen beim Zollamte Vortheile zu verschaffen wissen und Jener sei nicht berechtigt, Ansprüche auf einen Theil der ersparten Summe zu machen, weil das hiesige Haus das Risico des Verlustes habe und den Werth der Waaren nöthigenfalls dem Europäer ersetzen müßte. Meine Erwiederung war, daß der Europäer unter den jetzigen Umständen, d. h. wenn Alles glücklich geht, nie mehr als die Hälfte vom Werth seiner Güter zurückerhält, daß er aber, wenn die Waaren fortgenommen würden, ganz gewiß gar nichts erhalten würde.

Der Schottländer N.. meinte, daß ich diese Behauptung in Hinsicht der Deutschen, aber nicht der Engländer hätte aufstellen sollen, weil die Deutschen ohne Ausnahme mehr Neigung für das Metier der Schmuggelei hätten, als irgend eine andere Nation. Er drohte, auf meinen Reisepaß Beschlag zu legen, versicherte mir, daß ich in den ersten 12 Jahren nicht von der Insel fortkommen würde, er habe bereits die Unterschriften mehrerer Kaufleute gesammelt, um ein Gesuch zu diesem Endzweck einzureichen. Ich nannte ihm Mehrere, an die er sich hauptsächlich mit gutem Erfolge wenden könnte und blieb ganz ruhig dabei, da der Gouverneur meine Meinung theilte und auf meiner Seite war. Sehr bald erhielt ich denn auch meinen preußischen Cabinets-Paß aus den Händen des Gouverneurs, von ihm selbst visirt und gratis (er kostet sonst 6–8 Piaster). — Meine Bekanntschaft mit dem Gouverneur war bald stadtkundig geworden; die Deutschen zogen jetzt andere Saiten auf und fingen an, mich mit mehr Artigkeit zu behandeln, woran mir eigentlich wenig gelegen war.

Früher aber hatten sich die Commis in der Restauration belle Europe zurückgezogen, wobei der Wirth natürlich sehr viel verlor, denn alle seine theuren Sächelchen, als da war: saurer Moselwein, welcher von den deutschen Commis als Schloß-Johannisberger getrunken und bezahlt wurde, seine von Frankreich eingegangenen Forellen und grünen Erbsen, welche letztere in Havana nur aufgewärmt wurden und wovon die kleinste Portion, so wie auch von den Forellen 1½ bis 2 Piaster kostete: alle diese schönen Dinge sahen jetzt nach dem Ausbleiben der Deutschen ihrem Untergang entgegen. Mit diesen Erbsen wird nicht selten Jemand angeführt, was auch mir passirte, — ein Vorfall, den ich des Scherzes halber erzählen will.

Als ich nämlich eines Tages in der genannten Restauration zum Mittagsessen kam, fand ich keinen Platz und war schon im Begriff, fortzugehen, als mich ein Commis einer meiner Commissionaire zum Bleiben aufforderte; sie rückten zusammen und ich setzte mich. Er beorderte eben grüne Erbsen als Gemüse für sich und fragte mich, ob er auch für mich dieses vortreffliche Gericht bestellen solle. Ich ersuchte ihn darum, in der Meinung, daß es eingeborene Havaneser wären, da die gewöhnlichen Gemüse hier stets auf den Märkten angetroffen werden. Wie erstaunte ich, als mir die Rechnung gereicht wurde und ich diese in Frankreich vor vielleicht vier Jahren zubereiteten Erbsen mit 1½ Piaster aufgeführt fand. Anfänglich glaubte ich, daß die jungen Leute, die sich, wie alle Deutsche, wegen meiner eingezogenen ökonomischen Lebensweise moquirten, den Aufwärter zu einem Scherz bewogen hätten. „Nein, nein!“ fiel einer der Leckermäuler ein, als ich dies äußerte, „kein Scherz! diese in Frankreich zubereitete Délices kostet so viel, und wir finden es so billig, daß wir sie jeden Abend als Souper genießen“ — wobei er einen langen Sermon über die chemische Processe beim Einkochen u. s. w. anknüpfte. Ich erwiederte ihm kurz, daß Commis, deren Herren 25,000 Cigarren für 2000 Thlr. an Zahlungsstatt geben, freilich 1½ Piaster für drei Löffel voll grüner Erbsen auszugeben im Stande seien, ein ehrlichdenkender Deutscher aber könne dies nicht. Er erwiederte, diese Behauptung sollte ich auf der Gerichtsstube verantworten; ich aber bezahlte 1½ Piaster für ein aufgewärmtes Gemüse, welches ich frisch für ein Real hätte genießen können und ging weg.

Auf solche Weise werfen die Deutschen mit dem Gelde um sich, was wir europäische Deutsche verlieren, weshalb man mit Recht sagen kann: hier ist des Deutschen Feind der Deutsche. Sie sind in keiner Hinsicht mit andern Nationen, am wenigsten aber mit den dortigen Franzosen zu vergleichen, welche ihre Landsleute ohne Ausnahme mit Herzlichkeit empfangen, bei jeder Gelegenheit ihnen thätig zur Hand gehen und die bedrängten unterstützen. Man hat Beispiele, daß Franzosen, welche sich auf Waarenspekulationen nach Westindien eingelassen hatten und dadurch fast ruinirt wurden, sich durch Hülfe ihrer dort etablirten Landsleute wieder erholten, indem diese Artikel von ihnen kauften, wobei sie bedeutend verloren, um jene aus der Noth zu befreien, oder um ihnen zur Rückkehr nach dem Vaterlande behülflich zu sein. In Legionen sieht man die Franzosen in Westindien herumziehen, die Alle in der Absicht hinkommen, ihr Glück zu machen. Niemand will dort weniger als 40,000 Piaster ärndten.

Welch ein Contrast bildet dies Benehmen mit dem der Deutschen daselbst; da ist nichts von Herzlichkeit und Patriotismus zu finden; Geld! ist das Losungswort und die Parole bei ihren Manövern und bei allem ihrem Thun und Treiben. Deshalb werden denn auch alle Artikel, in welchen die deutschen Fabrikanten Meister sind, den dort umherschwärmenden englischen Reisenden zum Copiren gegeben. „Mischen Sie die Waare mit Baumwolle,“ sprechen sie, „machen Sie dieselbe schmäler, auch allenfalls von kürzerem Maaße, nur copiren Sie treu die Appretur und das Zeichen; für das Uebrige werden wir sorgen.“ Der Reisende kennt seine Pappenheimer; er weiß, daß die Commissionaire in Havana weniger Kenntnisse im Waarenfache besitzen, als die Leipziger oder Berliner Dienstmädchen, und versichert ihnen daher, wenn sein Prinzipal die bestellte Quantität doppelt schickt, diese Parthie sei das Non plus Ultra! „Sehen Sie,“ sagt er, „Alles dieses hier, was Sie in dem Zeuge sehen, ist von leinenem Garn gemacht“ und der Commissionair — was kann er auch bei seiner Unwissenheit anders thun? — schenkt ihm Glauben. Das Höchste, was er noch thut, ist, daß er seine Legion bepantoffelter Commis und cigarrenrauchender Portiers, Neger und Trabanten herbeiruft, damit sie sich von der Vortrefflichkeit der englischen Copieen überzeugen und den herrlichen Einfall ihres Herrn und Meisters bewundern. Indeß, was ist der Erfolg? Die Havaneser kaufen diese Creasse, Platillien etc., die aus einem durch Maschinen zerstampften Flachse, mit Baumwolle vermischt, verfertigt sind, natürlicher Weise zu einem viel geringern Preise, als die deutschen Waaren derselben Art verkauft werden können, und die letztern bleiben liegen. Erst im Gebrauch bemerkt der Käufer, daß er hintergangen worden ist, indem die gepriesenen wohlfeilen englischen Stoffe über alles Erwarten rasch zerrissen sind. Unterdeß haben die Commissionaire ihren Endzweck erreicht: sie haben eine doppelte Quantität Waaren in Commission erhalten, sie verdienen die doppelte Summe von Provision und können demzufolge doppelte Portionen von den in Frankreich präparirten grünen Erbsen und von den theuern Forellen u. s. w. essen.

Einst hatte ich Gelegenheit, einem Commissionair, und zwar einem sehr erprobten, zu widerlegen, da er sich wegen der Nachlässigkeit der deutschen Fabrikanten beschwerte, welche, wie er meinte, nicht mit der Zeit fortgingen und von Engländern sich vordrängen ließen; ich bewies ihm, daß alle deutschen Leinen den englischen vorzuziehen seien, weil der von der Natur im Flachs erzeugte Faden nicht zerstampft, sondern unversehrt in den Stoff eingewebt wird u. s. w.