Wenn ich den geneigten Leser mit der weitläuftigen Erzählung meiner eigenen Angelegenheiten so lange hingehalten und vielleicht ermüdet habe, so bitte ich um Verzeihung und glaube, einige Ansprüche auf dieselbe zu haben. Da Behauptungen Beweise erfordern und diese nur dann als triftig gelten können, wenn sie sich auf bestimmte Erfahrungen stützen, so mußte ich diese ausführlich mittheilen. Es wird mich nicht gereuen, dieselben auf meine Unkosten theuer erworben und bezahlt zu haben, wenn die Saat, die ich hier zum Nutzen des europäischen Handels ausstreue, auch wirklich aufgeht und Früchte trägt. Zum Beschluß will ich, ehe ich zu Gegenständen anderer Art übergehe, Einiges über Meta-Geschäfte von dort auf Europa anführen, ein Gegenstand, der besondere Berücksichtigung verdient.

Meta-Geschäfte nenne ich solche, bei welchen gewöhnlich drei Unternehmer interessirt sind, nämlich: ein Schiffseigenthümer, ein hamburger, bremer etc. Kaufmann, und endlich ein havanesischer Commissionair. Diese contrahirenden Personen verbinden sich mit der Ueberzeugung, daß Einer über den Andern so viel Vortheile als möglich erringen wird. Der Schiffseigenthümer liegt in Havana und kann für sein Schiff nur Fracht à 2 L. Sterl. pro Tonne finden, und doch möchte er 3 L. Sterl. 10 Sh. bis 3 L. Sterl. 15 Sh. bedingen. Wie wäre es, spricht er jetzt, wenn ich mein Schiff mit Caffee oder Zucker für den letztern Frachtpreis belüde? Ein Commissionair findet sich hierzu bereit, wenn der Rheder den dritten Theil der Ladung für seine Rechnung auf Gewinn oder Verlust übernehmen will, was dieser annimmt. — Der Commissionair schafft die Quantität zum Beladen an und findet vielleicht unterdessen Einige, die zu dieser enorm hohen Fracht beiladen, wodurch denn natürlich schon ein Gewinn für die drei Interessenten entsteht. Für den Commissionair, der unter der Firma Spanische Regierung Europäer et Comp. dieses Geschäft entrirt, muß unbedingt ein gewisser Gewinn bei solchen Geschäften erzeugt werden, denn er hat Provision für den Einkauf, den Rabatt, welchen die mit Maulthieren zum Anfahren der Güter beschäftigten Fuhrleute ihm erlauben (indem er nämlich das Fuhrlohn ganz in Rechnung stellt); er hat ferner die Sporteln, welche er sich beim Ausgangs-Zoll zu verschaffen weiß, so wie auch die Provision und anderen Sporteln auf die Waaren, die er für die europäischen verkauften Waaren, welche durch den Antheil dieser Ladung bezahlt werden, sich zu machen verstand, und endlich die Provision auf die Waaren, welche nach dem Verkauf des Zuckers an Zahlungsstatt nach Havana befördert werden. Der Europäer hingegen entschädigt sich durch Provisionen für die eingegangenen Colonial- und ausgehenden Manufactur-Waaren. Somit muß sich Einer auf Unkosten des Andern zufriedenstellen. Gern möchte ich einmal die Abrechnung von einem solchen Geschäft sehen, um die Erfahrung zu machen, wie viel den deutschen Fabrikanten von ihrem Capital, welches sie den Bremern oder Hamburgern in Waaren gegen Vorschuß zum Versenden nach Havana übergeben haben, übrig bleibt!

Manche sind der irrigen Meinung, Waaren von Westindien seien Retouren, und deshalb müsse man daran verlieren. Wenn es jeder Europäer dem westindischen Commissionair zur Pflicht machte, keine anderen Retouren als Wechsel auf London oder Paris zu überschicken, so würden keine Colonial-Waaren zu einem so niedrigen Preise herabsinken, als man täglich erfährt. Tauschhandel findet in ganz Westindien nicht statt; es können demzufolge keine anderen Retouren als baares Geld existiren. Colonial-Waaren müssen stets für baares Geld eingekauft werden und selbst, wenn sie Jemand mit Salomonischer Weisheit einkaufte, so müßte er, glaube ich, daran verlieren: ich habe in diesem Punkte eine Erfahrung an einer Parthie Caffee gemacht, auf welche ich in Havana verdienen konnte, in Europa hingegen verlieren soll.

Die Nordamerikaner sind, meiner Ueberzeugung nach, die einzigen, welche Geschäfte von Westindien nach ihren Staaten mit Nutzen betreiben können, weil beide so nahe Nachbarn sind und jene häufig ihre Einkäufe mit einem hübschen Gewinn realisirt haben, während ähnliche, zu derselben Zeit auf Europa unternommene Spekulationen noch erst am Anfange stehen und die Schiffs-Capitaine dorthin noch kaum zur Hälfte mit dem Einladen fertig sind.

Sieht man hierselbst die Anzahl von Geschäftsleuten, insbesondere von Einkäufern aus den V. S., die tagtäglich in Massen ankommen, so muß es jedem Unbefangenen bald klar werden, daß die Preise von allen hiesigen Erzeugnissen sehr hoch sein müssen, und auf Europa nicht Rechnung geben können. Der amerikanische Einkäufer bedient sich wohlweislich der amerikanischen oder spanischen Commissionaire, mit denen er jedoch vor dem Abschluß hinsichtlich der Provision eine Uebereinkunft trifft und sehr selten mehr als 1¼ Procent accordirt. Fragt man den Deutschen, warum er nicht auch so billig arbeite, so erhält man zur Antwort: „weil wir nicht, den Creolen gleich, Hülsenfrüchte essen und Catalonische Weine trinken wollen.“ Der Verkehr mit den V. S. ist in Havana so bedeutend, daß jede Woche aus jedem Hafen derselben ein bis zwei, ein- und eben so viele von Havana auslaufen.

Für Havana allein brachten diese Schiffe im abgewichenen Jahre 125–130,000 Fässer Mehl, d. h. so viele erlegten den Zoll; man kann eine bedeutende Anzahl geschmuggelter hinzunehmen; die Einfuhr auf Matanzes und St. Jago ist mir unbekannt. Dessenungeachtet fehlte es einmal während meiner Anwesenheit in Havana wegen der widrigen Winde, welche die Schiffe am Einlaufen verhinderten, dermaßen an Mehl, daß keiner von den Bäckern mehrere Tage hindurch Brod zum Verkauf hatte und man zu den Schiffs-Zwiebacken seine Zuflucht nehmen mußte. Ein Schiff, welches in dieser bedrängten Zeit einlief, machte einen Preis von 32 Piaster pro Faß, der sich jedoch nur einige Tage behauptete, denn unmittelbar darauf kam so vieles Mehl an, daß die Preise in wenigen Tagen von 32 Piaster auf 18 herabsanken. Rindfleisch wird auf Cuba nur von Montevideo, in Friedenszeiten aber auch von Buenos-Ayres eingeführt; es langen etwa 100 Ladungen an. Es wird dort gesalzen und in der Sonne getrocknet, riecht nicht angenehm und ist nicht allein für den Neger bestimmt, sondern auch für den Ausländer; ist mir selbst doch sehr oft in den Restaurationen ein daraus zubereitetes Steak gereicht worden, allein mir kam es stets ungenießbar vor.

Bei dieser Gelegenheit will ich dem geneigten Leser zur Uebersicht eine kleine Tabelle von den wichtigsten, aus den V. S. in Havana eingeführten Lebensmitteln vorlegen; merkwürdig ist hierbei die Quantität flüssiger Fettwaaren.

389796 Arrobas Reis, die Arroba à 25 Pfund 9,744900
 12498 Butter 25  ,312450
261097 Schweineschmalz oder 6,527425
101842 Pfund Oel in Fässern  ,101842
248392 Flaschen dito à 2 Pfund  ,496784

Diese Quantitäten sind es, die den gesetzlichen Zoll erlegt haben; außerdem kommt noch in Betracht die Quantität Butter, welche Capitaine für ihre eigene Rechnung mitbringen, womit sie den Zoll zu umgehen wissen, so wie auch die Quantität Rindsfett von den auf Cuba geschlachteten Thieren, welche den Fettwaaren angereiht zu werden verdienen.