Zuerst gelangte ich zu einer Glasfabrik, in welche ich ungenöthigt hineintrat. Nur der Aufseher war zugegen und so gefällig, mir vieles Hübsche zu zeigen. Ich ersah, daß die Glaswaaren hier nicht, wie in Böhmen oder Schlesien, geblasen, sondern gegossen werden, folglich fällt hier das Schleifen weg, indem das Bunte auf diesen Gläsern in den Formen erzeugt wird. Nach dieses Mannes Erzählung waren die Amerikaner, als Erfinder dieser Fabrikation eine Zeitlang die Monopolisten darin, jetzt aber, nachdem Engländer und Franzosen dieselbe Fabrikate erzeugen, haben sie eine schwere Concurrenz zu bestehen.

Durch den Anblick eines mächtigen Granit-Quarrées auf einem Berge angezogen, näherte ich mich demselben. Unerklärlich war mir diese Erscheinung, eine so mächtige viereckige Felsenburg ohne Fenster und Thüren; was kann das sein? Da ich neben diesem Felsenklumpen ein von eben solchen Steinen errichtetes, aber unbeendetes Gebäude mit einer prächtigen Kuppel sah, so trat ich in dasselbe, um mir Auskunft zu erbitten. Ich freute mich sogleich einen Mann zu treffen, dessen Anblick sonst Niemand sehr erfreut; den Schließer des Gefängnisses, welcher sich im Souterrain jenes mir räthselhaften Granit-Quarrées befand. Dies war so eingerichtet, daß die Zugänge zu demselben durch das Souterrain des unbeendeten Prachtgebäudes, den neuen Gerichtshof führten, und folglich jeder Arrestant, ohne sich müßigen Zuschauern exponirt zu sehen, vor die Richterstühle gelangen kann.

Die benachbarte katholische Kirche ist auf ähnliche Weise gebaut.

Am Ufer fand ich ein Schiff, welches zum Hausiren auf dem Ohio bestimmt war, zur Abfahrt fertig. Um diese schwimmenden Hausirer kennen zu lernen, bestieg ich das Schiff, in welchem ich ein komplettes geordnetes Waarenlager antraf. Die Mannschaft darauf versieht zugleich die Dienste der Handlungsdiener; bei allen Ortschaften werden Verkaufs- und Ankaufsversuche gemacht.

Den Mechanismus der sogenannten Snag-boats wollte ich jetzt kennen lernen; diese Bote sind nämlich seit etwa zwei Jahren durch den Washingtoner Congreß, auf dem Ohio und Mississippi eingeführt zum Auffischen der in jenen Flüssen treibenden Bäume, welche den Untergang so vieler Dampfschiffe herbeigeführt haben; es giebt derselben bis jetzt nur sechs, obgleich für beide Ströme wohl 150 erforderlich sind; ich freute mich, sie kennen gelernt zu haben, denn sie verdienen alle Aufmerksamkeit.

Auf dem Rückwege von dort gerieth ich in eine Baumwoll-Spinnerei. Der Fabrikant war eben damit beschäftigt, eine verkaufte Quantität dem Käufer zuzuschicken. Da ich auf den Fünf-Pfund-Paqueten No. 10 bemerkte, so ersuchte ich den Fabrik-Inhaber mir eins von No. 40 zu zeigen. „Hiermit beschäftigen wir uns nicht,“ erwiederte er, „die Anfertigung solcher Nummern überlassen wir den Engländern, wir spinnen nur bis zu No. 14, indem wir nicht so viel Capitalien haben, um mit sechs Prozent, denn mehr liefern feine Garne nicht, zufrieden zu sein. Auf Nummern wie diejenigen sind, welche wir spinnen, ist die Steuer zu groß, und aus diesem Grunde verbietet sich die Einfuhr von selbst. Besäße ich mehr Vermögen, so könnte ich mehr fertig schaffen und, anstatt daß ich jetzt 3000 Pfund jeden Tag absetze, das dreifache Quantum verkaufen.“ — Es würde mich sehr freuen, wenn einer von den geneigten Lesern so gefällig sein wollte, mir Aufschluß zu geben, warum der Amerikaner, welcher die Baumwolle und Kohlen dicht an der Thüre hat, mit den englischen Fabrikanten nicht soll concurriren können. Wäre es nicht zweckmäßig, daß die Regierung einen Ausfuhrzoll von Baumwolle erhöbe?

Während ich mich auf der Pittsburger Brücke befand — alle Brücken in den V. S., muß ich nebenbei bemerken, sind den Häusern ähnlicher als den Brücken, indem sie zur Abhaltung des Schnees mit Dächern und Fenstern versehen sind — und mich der großen Granitblöcke, worauf die Brücke ruht, erfreute, traf ich einen frühern Reisegefährten, welcher mich bat, mit nach seiner Tuchfabrik zu reisen. Er beklagte sich sehr über die Schmuggelei von England aus über Canada; noch mehr aber wegen des hohen Zolls auf roher Wolle, wodurch den Woll-Produzenten, zum Nachtheil der Fabrikanten ein sehr lästiges Monopol eingeräumt sei. Dürften wir, setzte er hinzu, unsern Wollbedarf gegen Erlegung eines Zolls, wie der in England festgestellt ist, von Deutschland einführen, so würden wir England sehr bald bei Tuchen entbehren können.

Als die beste Reisegelegenheit, um von hier nach Philadelphia und New-York zu kommen, wurde mir gerathen, auf einem Kanalboote bis nach Harrisburg zu fahren. Diese Fahrt wäre mir indeß beinahe schlecht bekommen, indem ich beim Durchfahren unter einer Brücke in die größte Gefahr kam, erdrückt zu werden. Bis nach Harrisburg trafen wir wohl 100 Brücken und bei den höchsten derselben konnte man, auf dem niedrigsten Punkte des Bootes aufrechtstehend, kaum ohne Gefahr durchkommen. Deshalb befindet sich Abends ein Mann auf dem Posten um „Herren, eine Brücke!“ als Warnungszeichen zu rufen. Diesmal rief er, als es schon zu spät war, um von den Koffern, auf welche ich mich zum Schutz vor Regen gesetzt hatte, herabzukommen. Ich warf mich sogleich auf den Rücken und erwartete das Schlimmste, aber die Vorsehung ließ auch diese Gefahr glücklich für mich vorübergehen. Ich enthalte mich der Beschreibung dieser Treckschuiten (die nach der alten sächsischen Lehrmethode wohl eher mit einem D zu schreiben sind), weil sie desselben nicht werth sind. Jeder, der dergleichen Schiffs-Gelegenheiten in Holland gesehen hat, welche den Amerikanischen zum Muster gedient zu haben scheinen, wird meine Versicherung, daß 43 Personen in der Cajüte schlafen mußten, in Zweifel ziehen, und 5 Nächte mußten wir in dieser peinlichen Lage zubringen; drei Hängematten über einander, in vier Alleen eingetheilt, lieferten sämmtliche Ruhestellen.

Uebrigens gewährte diese Reise sehr viel Abwechselung und Vergnügen in mancher Hinsicht. Das Merkwürdigste hierbei war eine Fahrt von etwa 35 englischen Meilen über sehr hohe Gebirge auf Eisenbahnen, vermöge des Mechanismus vieler Dampf-Maschinen, welche auf kurze Distancen die mächtigsten Wagen mit dem allerschwersten Gepäck ohne Locomotive auf die hohen Berge zogen — so daß wir die 35 Meilen in sieben Stunden zurücklegten. Es scheint, daß, zur Anlegung von Tunnels kein Fonds vorhanden war, da man zur Beförderung der Güter auf den Canälen, zu einer solchen Maaßregel hat schreiten müssen. Sobald wir von den sehr hohen Bergen ohne Locomotive etwa 6 Minuten hindurch auf die Canäle zu hinunterfuhren und bei denselben angelangt waren, stand ein Boot und Pferde bereit; die Umpackung währte etwa sechs Minuten. — Am folgenden Abend passirten wir den herrlichen Fluß Susquehannah. Ueber diesen führt eine herrliche Brücke, die ich in der Entfernung, da sich an derselben zwei Gallerieen für die hin- und zurückziehenden Pferde befinden, für ein Theater hielt. Die Gegend um diesen Fluß ist die reitzendste von allen, die ich auf meinen vielfältigen Reisen gesehen habe. Die Stadt Petersburg, welche an der entgegengesetzten Seite des Flusses liegt, konnte ich bei der sich nähernden Abendzeit nicht gut sehen.