Nun kann ich Kliebisch's doch nicht schreiben, die schwarzen Pocken wären bei uns ausgebrochen, oder was sonst Mieths-Contracte aufhebt, und sie nebenan bei Betti einquartieren, das scheitert sowohl an ihr, wie an ihrem Manne. Sie hilft mit Lagerstätten aus und was drauf und drunter gehört, aber über ihre Schwelle steigt kein Fremdling.
»Ich bin nicht so blödsinnig, ein Hotel aufzumachen,« sagte sie theilnehmend.
Damit hatte sie das Rechte getroffen. Wir sind Hotel! Aber doch nur aus Geschäfts- und Freundschafts-Rücksichten mit Hinblick auf das Allgemeine. Jeder Einzelne ist für die Ausstellung verantwortlich, und für den Besuch kann nicht genug gethan werden, theils daß er heran-, theils daß das Unternehmen herauskommt. Berlin kann doch nicht alle Eisbären und Rutschbahnen alleine bezahlen.
Ungermann's sind, soweit ich beurtheilen kann, zufrieden. Am ersten Morgen sagte sie: »Mein lieber Mann ist noch ein Kopfkissen mehr gewohnt,« und er sagte, »meine liebe Frau frühstückt Cacao, wenn es Ihnen keine Mühe macht,« und so einen kleinen Wunsch nach dem anderen, bis sie es hatten, wie sie wollten. Mich rührte diese Zärtlichkeit, denn sie sind Beide keine Jünglinge mehr, namentlich vermuthe ich sie ihm im Taufschein bedeutend über, dagegen ist er würdevoller, als Männer in seinen Jahren zu sein pflegen. Er betrachtet die Welt vom ernsten Standpunkt, hat sich aber vorgenommen, Berlin zu durchforschen, selbst wenn er Elemente nicht vermeiden könnte, deren Berührung zu falschen Schlüssen Anlaß gäbe. Die sociale Frage zu studiren, sei die Aufgabe eines jeden, der das Wohl des Staates im Herzen trüge.
Wir kennen einen Polizeilieutenant a. D., sagte ich, »der wird Ihnen angeben, wo Sie Bauernfänger an der Quelle beobachten können, und das Asyl für Obdachlose und Plötzensee und die Armenpflege und was sonst gefällig ist.«
»Ich danke Ihnen sehr. Das ist, was ich will. Ja, ja, das ist es. Unser Bürgermeister ist noch jung. Sehr jung. Wir Stadträthe müssen gut unterrichtet sein, damit wir die Bürgerschaft vor Mißgriffen schützen.«
»Sehr edel gedacht, Herr Stadtrath,« erwiderte ich.
»Wenn mein lieber Mann nicht wäre, es ginge drunter und drüber,« nahm Frau Ungermann das Wort. »Aber wir bilden uns nichts darauf ein und überlassen Anderen den Vortritt, wenn das Einkommen auch nicht so groß ist. Man weiß ja doch, was man ist.«
»Ganz meine Meinung, Frau Stadträthin.«
»Die Frau Bürgermeisterin käme ja sehr gern nach Berlin, aber es wird den Leuten zu kostspielig. Sie müssen im Winter repräsentiren und da bleibt für den Sommer höchstens ein billiger Landaufenthalt. Ja, ja, jeder Stand hat seine Last.« —