»Aber wie wenige vermögen das? Und dann ist es auch nur Zufall, wenn mal etwas gelingt. Wirklich Denkende, wie mein Mann, halten es mit der Würde ihres Standes unvereinbar, ihre Geistesschätze auf dem Markt zu profaniren. Gelehrsamkeit ist eben keine Kuh, die Einen mit Milch und Butter versorgt.«
»Er kriegt wohl blos amerikanisches Schmalz,« entgegnete ich. Das mußte ich ihr einreiben, erstens wegen ihres Dünkels und zweitens, weil sie mich meinte. Und um ihren Hochmuth ein für alle mal zu dämpfen und neben der Butschen, die doch meine langhergebrachte Freundin ist, nicht wie die Krausen als Nachtschatten betrachtet zu werden, sondern ebenfalls als lebende Magnesiafackel, sagte ich: »Jetzt wird gerade gedruckt; wir sehen uns das Innere des Lokalanzeigers an, wo die Ausstellungsnachrichten entstehen. Da kommen die höchsten Herrschaften und Minister und Excellenzen und alles, was von Bedeutung ist, wie heute unsere liebe Butschen, die einen gewaltigen Schritt in das Erfinderische gethan hat.«
»Müssen wir,« pflichtete Herr Butsch bei. »Willst Du auch einen Cognac auf das kalte Zeug, Kathinka?«
»Nee, nee,« dankte sie. »Mir ist so heiß, ich weiß nicht wie.«
Die Setzmaschinen in der Druckerei und wie sie das Geschriebene in runde Metallplatten verwandeln, das ist direkt räthselhaft und die Pressen sind so gerieben ausgedacht, daß wir sie nur so lange verstanden, als Herr Brauns sie uns erklärte. Das Papier an sich ist doch ganz vernunftlos, aber in der Presse wird es lebendig und geht seine Wege, wie auf dem Exercierplatz kommandirt und kommt unten als Zeitung heraus. Immer klapp, klapp, klapp ist eine Nummer nicht nur lesbar, sondern auch gefaltet. Dies fesselt stets auf's neue, so oft man es auch anstaunt.
Und nun führte ich meinen Plan aus, gerade jetzt durch die Krausen gereizt.
»Meine Herrschaften,« sagte ich so verständlich in dem Maschinen-Geräusch wie möglich: »Sie verweilen wohl einen Augenblick, ich bin gleich wieder zurück.«
Sie nickten Einverständniß.
»Ich habe nämlich auf der Redaction zu thun.«
»So?«