Ich hatte den Schreibebrief auf den Tisch gelegt, dicht vor Herrn Krause, aber er sah nicht hin. Er aß und trank und es schmeckte ihm. Es war ja auch eine stärkende Unterbrechung der Suppenfleischklopse, an denen er langsam vermickert. Aber es soll thatsächlich Naturen geben, die sich an Vergiftung gewöhnen.

Sie, die Krausen, brannte auf den Brief. Sie faßte ihn ganz unabsichtlich an, tändelte damit und warf ihn wieder hin. Aber sie konnte und konnte nicht davon bleiben.

»Was ist darin?« fragte sie endlich.

»Correcturen von meinem nächsten Bericht. Es hat so leicht Keiner eine Ahnung, wie mühsam die sind.«

»Das kann ich mir garnicht denken. Wenn Sie es fertig bringen, ist es doch unmöglich so schwer?«

»Versuchen Sie. Da ist ein Bleistift. Zeichnen Sie einmal einige Fehler an.«

»Ich werde doch nicht das Ganze durchstreichen,« sagte sie und meckerte. Das sollte ein Witz sein.

Rasch hatte sie den Umschlag aufgerissen. Da waren die Correcturstreifen. Sie las. Ihre Züge verklärten sich, als sie weiter schnüffelte. »Ah,« dachte ich, »sie wird bezwungen von Deiner Schreibung, Wilhelmine. Sie ist doch am Ende nicht so schlecht und aller höheren Empfindung bar, wie man leider manchmal angenommen hat.« — Gerade dieser Bericht war mit besonderer Hingabe abgefaßt, sozusagen mit Begeisterung und doch wieder mit dem sachlichen Pflichtgefühl des hohen Berufes der Presse.

»Darf ich vorlesen?« fragte die Krausen.