»Vorlesen!« lechzten die Anderen förmlich. »Vorlesen!«
»Wenn es Ihnen Vergnügen macht,« gestattete ich bescheiden und sah auf das Tischmuster. Vorgelesen werden sollen ist ähnlich wie in einer Schaukel, nicht schön und doch wieder sehr schön.
Die Krausen räusperte sich und las laut: »Der Glanzpunkt der gesammten Ausstellung, wie noch niemals da war und die Augen der Nationen auf sich lenken wird, befindet sich links im Hauptgebäude. Es ist dies ein aus diamantschwarzen Strümpfen auf weißem Grunde künstlerisch hergestellter Reichsadler, unter Garantie absolut farb- und waschecht mit verstärkten Spitzen und verstärkten Fersen, ein großer Theil der Qualitäten außerdem mit verstärkten Sohlen eine Musterleistung des Hauses Buchholz und Sohn.«
Die Krausen hielt inne. »Darf ich weiter lesen?« fragte sie. »Ist es Ihnen auch recht?«
»Gewiß!« erlaubte ich ihr, da alle mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten. Sie lächelte mir teuflisch zu und las mit erhobener Stimme.
»Die Güte der Waare fechten wir keineswegs an, aber Glanzpunkt ist zu viel gesagt, in Anbetracht hervorragenderer Objecte, und über das Künstlerische des Adlers ließe sich diskutiren, mehr als wir Raum in unserem Blatte für Erwiderungen zur Verfügung haben. Wir ersuchen Sie, einen anderen Eingang zu schreiben. Ganz ergebenst die Redaction. — Das steht hier mit Tinte am Rande. Ihr Glanzpunkt aus Strümpfen ist dick blau ausgestrichen. Sehen Sie, meine Damen.«
Wie ich da saß, war mir wie weit weg im Nebel. Was ich sagte, war wie hohles Echo. Ich hatte es so gut mit meinem Karl gemeint, und seine Ausstellung ist auch der Glanzpunkt. Und der Adler ist von einem früheren jungen Akademiker entworfen, also künstlerisch. Kann man sich denn nicht mehr auf die Akademie verlassen?
»Die größten Schriftsteller haben ihre ersten Entwürfe oft genug umgearbeitet,« sagte Herr Brauns, »und in unserem Fach ist der erste Plan meist nur ein Anhalt. Wir alle müssen corrigiren.«
»Pah!« sagte die Krausen, »ich möchte um nichts in der Welt ein Genius sein. In meine Sachen redet mir kein Zweiter hinein, das ist mein Ehrgeiz.«
»Der Anfang war auch nicht gut,« sagte ich, mich aufraffend. »Mir fehlte es an Zeit und Ruhe. Der, den ich jetzt schreibe, wird besser. Und das wissen Sie alle: über künstlerisch und unkünstlerisch gehen augenblicklich die Ansichten quer auseinander. Der Adler ist mehr nach der alten Schule, und der Redacteur gehört wahrscheinlich zu den Modernen. Wer von den Beiden den Vorsitz hat, kugelt den anderen hinaus. Somit werden meine Ansichten durchaus nicht berührt.«