»Dorette, ich lege Ihnen zu. Ueberdies haben Sie ja jetzt Hilfe an Fräulein Kliebisch.«

Dorette lachte. »Komm die Frau 'mal mit,« sagte sie vertraulich und führte mich in Herrn Kliebisch's Zimmer. »Det hat se von alleene besorgt. Seh een Mensch blos det Bett an. Und da soll der eijene Vater drin jeschlummert werden. Det is ja Umjehung von's vierte Jebot, >auf daß es Deine Eltern wohljehe und se lange leben uf Erden.<«

Es war in der That nicht ersten Ranges, was das Kind vollführt hatte. Das Bett glich einem Gebirge mit Thälern und Schluchten, die Morgenschuhe standen auf der Kommode, den Vorleger hatte sie unter das Spinde gefegt.

»Un ausjejossen hat se jar nischt,« höhnte Dorette. »Un det nennt det Wurm en fertijet Schlafzimmer.«

»Sie ist noch jung,« nahm ich der Abwesenden Partei, »und das sind wir Alle gewesen.«

»Aber man nich in solchen Jrade. Will des Fräulein Thuverkehrt mir dajejen in der Küche helfen, bin ick nich abjeneigt, ihr Anleitung zur Vervollkommnung in's Kartoffelschälen zu jewähren. Seit wir die Kliebischen's in Kost haben, sind mir die Hände schon en Endecken kürzer jeworden.«

Sie hatte nicht Unrecht, Kliebisch's alle Drei leisten Bedeutendes in Erdfrüchten. Ob es davon kommt oder woher sonst, weiß ich nicht, aber die Kliebischen ist bequem geworden, wie sie früher nicht war. Und alleweil verzagt.

»Wie wird es werden? Die Zeiten sind so schlecht und die Kinder wachsen heran,« klagt sie, aber rühren ist nicht und thätig eingreifen und Töchterchen zurechtstoßen auf Geschicklichkeit und Brauchbarkeit, wie ich meine Beiden nie versäumt habe. Wo die Tage gleichmäßig auf- und untergehen, wird der Mensch zuletzt auch flachweg und fett und sitzt, wo er sitzt. Mich wundert, daß sie sich aufraffte, ihren Schwerpunkt nach Berlin zu verschieben.

Den großen geräucherten Schinken, den sie mitbrachte, und den Korb Eier und das Geflügel nahm ich als ländliche Zartsinnigkeit von ihr dankend entgegen. Ein Sack Kartoffeln, der als Handgepäck zu umständlich war, ist als Angebinde seinerseits noch unterwegs. Dorette behandelt Kliebisch's daher mit mittlerem Wohlwollen. Was sie über Ungermann's sagt, mag zutreffen, obgleich sie weiß, daß ich das Thürenhorchen nicht haben will. Indes kann ich der Nätherin, wenn sie mit Dorette zusammen ist, nicht den Mund verbieten. Die hat gesagt, die Ungermann müßte viel Geld haben, so viel Watte wäre an ihr; wegen ihrer Figur hätte sie knapp einen Mann gekriegt oder er hätte sie schleunigst wieder retour gegeben. Und so eitel! Alles sollte sitzen, als wäre sie im Loth wie eine Probiermamsell Nummer Gelbstern.

Nun war mir erklärlich, warum das Anpassen immer abgeriegelt geschieht und ohne meinen Rath.