Mit dem Weinkeller sah es trübe aus. Je mehr Wasser vom Himmel stürzte, um so weniger wurde der Wein; der Regen zwang zur Häuslichkeit und geselligem Beisammensein und mein Karl ist nobel.

Ungermann hatte gleich die beste Sorte heraus, seine Zunge merkte das Unabgelagerte sofort, als ich unsern Tischwein in die Lafitte-Flaschen umgegossen hatte. Kliebisch versteht sich nicht in gleichem Maaße auf Jahrgänge, ihm schmeckt der Billige wie der Theure, so lange eingeschenkt wird.

Ich gönne es ihm. Wenn er einen Kleinen sitzen hat und man bringt ihn nicht darauf, vergißt er die agrarischen Kalamitäten und es ist ihm einerlei, ob die Margarine blau oder grün gefärbt werden soll oder garnicht. Dann ist der Ausstellungs-Musterstall sein Trost, den er mit Vorliebe beschreibt als das Erfreulichste für den Landwirth.

»Da liegt Poesie darin,« sagte er. »Ein Pferd bleibt doch immer ein Pferd. Oder haben Sie schon einmal ein Vollblut-Fahrrad gesehen? Kann denn ein Cavalier sich auf solches mit einer Leberwurst beschlagenes Spinnrad klemmen, ohne sich und seinem Stand etwas zu vergeben?«

»Die Industrie denkt anders,« entgegnete Herr Ungermann. »Der durch das Fahrrad hervorgerufene Umsatz ist ein gewaltiger und wird sich immer mehr steigern, trotz der Spöttelei der Feudalen.«

»Ich gehöre nicht zu den Feudalen,« wehrte Kliebisch ab.

»O doch, Hinnerich,« sagte die Kliebisch. »Hattest Du nicht auch einen Karbunkel im vorigen Jahre, gerade als der Landrath einen hatte, nur daß von seinem mehr geredet wurde, weil er gefährlicher war als Deiner?«

»Und das Radfahren soll sehr gesund sein,« bemerkte die Ungermann.

»Das Reiten ist noch gesunder.«

»Das Rad ist das Roß des armen Mannes,« begann Herr Ungermann wieder. »Auch der Minderbemittelte vermag sich eins zusammenzusparen und braucht kein Geld für Heu und Hafer auszugeben.«