Was man so recht von Herzen hofft, kommt Einem vor, als wäre es schon geschehen. Ich sah Kriehberg bereits in seiner neuen Thätigkeit, von Arbeit derart breitgedrückt, daß er an Ottilie zu denken selbst Sonntags keine Zeit mehr hatte, von seinem Brotherrn alsbald anerkannt. Der hat natürlich eine Tochter, die ihn anfangs übersieht, schließlich aber durch den Vater auf Kriehberg's Tüchtigkeit hingewiesen, ihn von Fabrikwegen heirathet. Er schickt mir die Verlobungsanzeige, ich schreibe ihm einen noch wundervolleren Brief mit dem Motto: »Arbeit ist die beste Lotterie, die ihn in den ersehnten Glückshafen gelotst hat« und führe zwischen den Zeilen aus: welcher Esel er gewesen wäre, wenn er Ottilie gezwungen hätte, mit ihm die schmale Leiter der Karrière zu besteigen, auf der er alleine schon die Sprossen durchtrat. Zum Schluß dann, schöne, gediegene Segenswünsche mit dem scherzhaften Hinweis auf Gevatterstehen bei dem ersten Kriehberg jun., der fröhlich heranwachsen möge, seinen Eltern zur Freude und der Menschheit zum Zierrath.

Aber man muß sich keine Tischrede eher ausdenken, als man zu Gast gebeten ist. Vorläufig hatte Kriehberg noch nicht einmal die Stellung und ich wollte schon taufen. Ich mußte ja mit Kriehberg's Charakter rechnen, der im entscheidenden Augenblicke auf gesunden Menschenverstand verzichtet. Mir kam deshalb der Gedanke, persönlich selbst den Y 44 mit diplomatischen Reden zu bearbeiten, bis er froh würde, eine Kraft wie Kriehberg zu gewinnen. Mein Karl war jedoch uneinverstanden.

»Du hast mit Deinem Empfehlungsbrief des Guten schon zu viel gethan,« sagte er. »Richtiger wäre gewesen, ich hätte ihm ein Attest ausgestellt. Zeugnisse schreiben ist Männersache.«

»Das wäre Schablone geworden. Ihr fangt immer an: >Ein Sohn frommer aber ehrlicher Eltern, ohne einen Groschen in der Tasche geboren, hat der Betreffende durch Fleiß und Ausdauer sich Kenntnisse in seinem Fache erworben, die ihn befähigen, einen Posten selbstständig auszufüllen u. s. w.< So was läßt kalt. Ich hingegen habe den alten Ypsilon angewärmt, sag' ich Dir, wie es nur eine Frau im Stande ist, die etwas durchsetzen will. Noch ein paar mündliche Angriffe und er ist erlegt.«

»Und wenn Kriehberg sich nachher unzulänglich erweist, wer trägt die Verantwortung?«

»Das geht mich im Geringsten gar nichts an. Der Mann muß wissen, wen er sich aufladet. Uebrigens glaube ich, daß Kriehberg sich zusammen nimmt und der würdige Fabrikherr gewinnt ihn lieb wie einen Sohn. Im Grunde ist Kriehberg nicht schlecht.«

»Das Wenigste, was von einem anständigen Menschen verlangt wird. Nicht schlecht ist lahmes Lob und heißt in Wahrheit >taugt nichts.<«

»Da irrst Du Dich, mein Karl. Es giebt aber verschiedernerlei Güte, wie beim Beefsteak. Wo kriegst Du auf Reisen wohl gutes? Und wie preist Du Dich glücklich, wenn es wirklich nicht schlecht ist? Kriehberg ist noch jung und er hat seine guten Seiten.«