»Was wird aus unserm Hotel, wenn ich feige fliehe? Wer verhütet Mord und Todtschlag, wenn ich nicht als Schutzgeist zwischen den Parteien walte?«
»Du phantasierst.«
»Du giebst mir Dein dreimal heiliges Ehrenwort, Dich unter keinen Umständen zu schießen?«
»Mit wem?«
»Zum Beispiel mit Kriehberg.«
»Dem haue ich eine herunter, daß ihm vier Wochen der Hut nicht paßt.«
»So habe ich mir es auch ausgemalt, ganz ähnlich gerade so. Das beruhigt mich. Und wie erquickend wird der Winter, wenn der Ausstellungsrummel vorbei ist und wir uns selbst wieder angehören. Viel wollen wir nicht mitmachen, aber auf das Fest des Alpenvereins gehen wir. Hast Du Dich schon etwas im Bayerischen vervollkommnet, mein Karl? Auf der Ausstellung bietet sich die schönste Gelegenheit dazu.«
Es ist wagenladungsweise Bayerisches vorhanden, sowohl Getränk, wie Nationalspeisen und -Trachten, die theils von Kellnerinnen getragen werden, theils von Natursängern, theils vom Wurzelsepp, der am unverfälschtesten umhergeht und jeden mit dem im Höhenklima zuhausenen Du anredet, worauf der als Steifmeier verschrieene Norddeutsche sofort zeigt, daß er süddeutsche Gemüthlichkeit nicht nur dem Namen nach kennt, sondern, da sie hauptsächlich in der herzlichen Sprache liegt, sie auch auszuüben versteht und womöglich gleich losjodelt.
Auf dem Alpenvereinsfeste kommen Berliner vor, die von gelernten Tirolern nicht zu unterscheiden sind: die Damen ganz Oberammergau'sch und die Herren mit bloßeren Knieen, als mitten im Winter gesund ist, nur das Tirolerische radebrechen sie, daß die Gemsen abstürzen, wenn sie's hören. Warum hat noch niemand ein Büchlein verfaßt: »Oberbayerisch in vierundzwanzig Stunden zu beherrschen,« das viel Segen stiften würde und zur Ausstellung fertig hätte daliegen müssen, die Risse zwischen Süden und Norden zu verleimen? Das Trinken der guten Bräue allein versöhnt nicht, das gegenseitige Verständniß, das einigt und mein Karl hat die Erlaubniß, mit den Münchener Kellnerinnen sich für den nächsten Alpenball im Plauschen zu vervollkommnen, denn es sind armforsche ältere Jahrgänge, fleißig und eifrig im Bedienen, daß es mit dem Anbandeln nichts ist.