Am Feste regnete es, daß die gelben und blauen Lampen sich in Vogelnäpfe verwandelten und Schang sich mit der Ankündigung der Illumination in den Zeitungen begnügen mußte, die laut posaunten, daß er für fünfzigtausend Brillanten auf der Ausstellung gekauft hätte.

Alle hinausgeströmte Welt ergoß sich in die Gold- und Silberabtheilung, wo es während des Regens trocken war, und betrachtete mit erhobenem Nationalgefühl die köstlichen Leistungen der Berliner Goldschmiede und Juweliere und den Platz, wo solcher Einkauf stattgefunden hatte, wenn auch nirgend wo daran stand »für China erworben.« Einige sagten, es wären fünfmalhunderttausend Mark gewesen, was nur scherzend bezweifelt wurde, da der Chinese furchtbar reich ist. Wenn er will, kann er jede Minute ein Zwanzig-Markstück hinunterschlucken, ohne daß er was merkt. So erzählte man und beglückwünschte die Juweliere zu dem »großartigen« Geschäft und pries den Arbeits-Ausschuß als Häupter vom Ganzen und die Ausstellung und Berlin und das Deutsche Reich, daß Handel und Wandel so aufblühten und der Goldregen von Osten noch dichter pladdern würde, als der Strippenregen vom Himmel. Wer nicht drinnen war, quurkste draußen in den Regenwegen und mancher guter Anzug kriegte seinen Rest, um dem Stern des himmlischen Reiches zu huldigen, der die Geburt goldener Zeiten verkündete; liegt doch im Verdienen heute das Heil der Menschheit. Es war ein großer Tag, nur bekam Niemand Schang recht zu sehen. Es triefte zu sehr. —

Einige Abende darauf wurde die Beleuchtung wiederholt, wenn auch mit ohne Schang. Es soll sehr schön gewesen sein, allerdings mit herabgesetzter Freudenempfindung, denn im ganzen hatte Schang für nuttige dreitausend Mark Brillanten eingehandelt und war nach England und Frankreich gereist, Kanonen und Panzer anzusehen und ähnliche Einkäufe zu machen. Konkurrenz schrinkt. Doch steht zu erwarten, daß er sie ebenso einseift. Und das lindert den Schmerz wieder.

Fast möchte ich glauben, unser Schulmeister hat die Chinesen nicht so gekannt, wie sie uns kennen, und daß Onkel Fritz Bescheid weiß. Man irrt sich in nichts leichter als in ausländischen Völkern.

Seinen Rath, Tante Lina zu besuchen, nahm ich an. Ich mußte.

Denn dieser Kriehberg — man sollte es nicht für denkbar halten — wurde herausfordernder als je. Er hätte Aussicht auf feste und dauernde Stellung, schrieb er mir, und kein Grund läge vor, ihm Ottilie länger zu verweigern.

Herr Brauns brachte jenen Abend bei uns zu, an dem Kriehberg fällig war und vor verschlossenen Thüren antrat. Eine sofortige Pustkarte, daß N 44 verreist sei und ihm nach seiner Rückkehr Bescheid geben würde, sandte ich schleunigst im Geheimen an Kriehberg ab. Und darauf hin pocht er auf Aussichten. Unglaublich.

Ottilie war mit der Ungermann und Kliebisch's in ein Theater gegangen, so daß Herr Brauns, mein Karl und ich allein beim Abendbrod saßen. Ihm fehlte Ottilie; mir nicht.

Wir unterhielten uns über viele, verschiedene Dinge; das Gespräch kam nicht in Fluß. Wie wäre es auch möglich, auf die Dauer Theilnahme für Gleichgiltiges zu heucheln, wenn sich die Gedanken mit Lebensfragen beschäftigen? Und zuletzt hielt er es nicht mehr aus, er konnte sich nicht länger bezwingen.

Und wie er erst zögernd begann und erröthete und sagte, wie er auf uns zählte, namentlich auf meine Aufrichtigkeit — er wußte ja nichts von meiner so eben abgelassenen Rohrpostlüge — und dann immer lebhafter wurde, je mehr er den Eindruck schilderte, den Ottilie auf ihn gemacht hatte, gleich beim ersten Anblick und nachher wieder, so oft er sie gesehen, das klang so gewinnend und innig, daß ich ihm freundlich zunickte. Und da sagte er, sie müßte die Seine werden, so liebe er sie.