»Das müssen Sie selbst am besten wissen,« warf ich ihm kühl vor. »Meinen Mann so zuzurichten. Schämen Sie sich.«
»Oho! Buchholz war der Fidelste; nicht nach Hause zu kriegen. Wenn ein Mann einmal seine langentbehrte Freiheit genießen kann...«
»Was? Sie wollen meinen Mann herabsetzen, Unfrieden stiften, Eheglück ruiniren? Glauben Sie, das mit einem Sack Kartoffeln gut machen zu können? Doch bei mir nicht?«
Die Anlappung verschüchterte ihn. — »Hätte er eine Ahnung gehabt, daß er lästig fiele, wäre er garnicht gekommen,« sagte er mucksch, »und das Beste wäre wohl, er ginge gleich.«
Ich entgegnete, ich allein könnte nicht ab- noch zureden, in unserem Hause hätte mein Mann die Oberleitung, der wäre vollkommen frei in seinem Willen, augenblicklich jedoch zu unwohl, um gefragt zu werden.
»Gut,« sagte er, »ich gehe mit meinem Kinde.« — Ich schwieg.
Er hin und Anna'chen geweckt und es gehetzt, sich reisefertig anzuziehen. Jedoch dies Packen konnte ich nicht mit ansehen, das war purer Kuddelmuddel, weshalb ich helfend eingriff. Die Kleine war noch schlafhaft. »Anna,« fragte ich, »hat Mama Dir nichts gesagt, als sie ging?« — »Nein.« »Auch Ottilie nicht?« — »Nein.« — »Besinne Dich doch.« — »Ja, einen Brief gab sie mir.« — »Wohin hast Du den gelegt? Auf den Tisch?« — Das wußte sie nicht. — »Unter's Kopfkissen?« — »Ich glaube.«
Wir suchten. Kein Brief zu finden. »Hat Mama Dir wirklich nichts an mich aufgetragen?« — »Mama meinte, Ottilie würde Alles schreiben, ich behielte es wohl nicht richtig.«
»Sie kennt Dich, scheint's. Kind, einen Rath geb' ich Dir: geh' nie allein aus die Straße, Du kommst unter'n Leichenwagen.«
Darüber entsetzte sie sich und fing an zu flennen. Nun war nichts mehr herauszubringen. Zum Verzagen.