»Warum leben wir nicht mehr in Alt-Berlin, Herr Vetter? Damals saß die Senge loser als heute.«

»Sie machen sich unnöthige Sorge. Wenn das Fräulein die Verlobung rückgängig machen will, werden wir ausreichende Gründe finden. Er vermag ihr keinen Unterhalt zu bieten, sein exaltirtes Wesen deutet auf geistige Störung. Ist ihm irgend ein verschrobener Verwandter nachzuweisen, liefern wir ihn den Psychiatern aus.«

»Ist das sehr etwas Schlimmes?«

»Bei einem Anhänger Lombroso's ist er so gut wie verloren, dem genügt schon eine dämliche Kinderfrau zur erblichen Belastung bis ins vierte Glied.«

»Das ist Alles recht schön; aber wer hindert ihn, das Glück der Beiden durch seine Unvernunft zu stören? Und da Ottilie nicht frei von Schuld ist, welch' ein Brautstand wird das, welch' eine Ehe? Das ist meine Behauptung. Und solche Verbrechen an Glück und Freude sind straflos?«

Dies sah der Vetter ein. Glück muß rein sein, sonst ist es kein Glück.

Er ließ sich Kriehberg's Adresse von mir geben, von ihm selbst zu erfahren, ob er aus Liebe handele oder aus Eigennutz. — »Von jedem etwas,« sagte ich »halb sauer und halb mit Essig.« —

Als der Vetter wiederkam, waren wir einen Tippel klüger, aber auch nicht mehr. Kriehberg wollte gegen eine Abstandssumme zurücktreten und Ottiliens Briefe herabrücken.

Es waren man blos 5000 Mark, mehr nicht. Und die sollte ich berappen. Wer sonst?

Ottilie verfügte nicht über so viel. Und Rudolph konnte doch unmöglich seine Braut kaufen? Blieb ich allein vor dem Rest sitzen.