»Aeußerlich. Sie sträubt sich allerdings mit vielem Gerede gegen Umständemachen, aber wenn nicht jegliches auf den Tippel nach ihrem Kopf geht, nimmt sie's übel.«
»Laß sie knurren.«
»Sie bleibt immer gleichmäßig zurückhaltend und duldsam und zwirnt Dir blos eine bezügliche Geschichte aus der Gevatterschaft vor, ganz lang und ganz langsam mit Spitzen darin, ein Schleppkleid zu garniren. Du hast Deine Pillen weg und weißt nicht wie, und die alte Dame verzichtet lächelnd auf Dank.«
»Das erträgst Du kaltblütig?«
»Ich leide für die Enkel, besonders für Fritz, der schon jetzt Anzeichen von Rechtsbewußtsein äußert, indem er sich nichts nehmen läßt. Und wer kann heutzutage Assessor studiren, ohne eine Erbtante in der Hinterhand?«
»Warum kein Geschäft ergreifen? Du siehst doch auf der Ausstellung, daß außer den Studirten auch noch Leute leben. Und wie hoch steht der Mann da, der aus eigener Kraft der Stadt und dem Staate zur Ehre gereicht!«
»Der Jurist steht höher. In Moabit trifft sich zuletzt Alles. Die Seelenseligkeit kriegst Du nur durch den Geistlichen und Dein Recht nur durch den Juristen. Der Geistliche kriegt keinen Juristen in den Himmel, aber der Jurist bringt den Geistlichen in's Loch, je wie die Verhältnisse liegen. Nein, Fritz studirt Rechtsgelehrtheit, dann ist er allen Ständen über. Der Junge ist ja so süß.«
»Er macht den Eltern mehr Verdruß als Franz.«
»Weil sie den Knaben nicht verstehen. Wer sich Zwillinge leistet, darf keinen von Beiden vorziehen. Gleiche Wäsche und gleiche Liebe. Also was haut Er Fritz?«
»Weil der Bengel sagte, ein Hund hätte ihm die Hosen zerrissen, worauf der Vater nach Bißwunden sucht und findet, daß Fritzchen gesohlt hat. Warum log er?«