»Um von Jemand Strafe abzuwenden.«

»Von wem denn?«

»Nun von sich selbst. Ihm war das Malheurchen beim Treppengeländerrutschen passirt, was sie ja eigentlich nicht sollen. Aber anstatt sich über das Talent des Kindes zum Advocaten zu freuen, drauf losgedroschen, wie auf kalt Eisen. Und ich sage Dir, ehe Tante Lina Berlin verläßt, hat sie Fritzchen in ihr Herz und ihr Vermächtniß geschlossen.«

»Deine großmütterliche Verblendung geht zu weit. Warte doch ab, was die Zeit bringt.«

»Die Zeit läßt sich zu viel Zeit. Die Karre geht nur, wenn sie geschoben wird. Nächstens machen wir eine große Kinderpartie nach der Ausstellung, Tante Lina als Mittelpunkt, damit sie Gelegenheit hat, Fritzchen lieb zu gewinnen. Uebrigens frage doch wieder nach der Tasche. Wie wäre es, wenn der Knabe sie der Tante überreichte?«

»Mit einem Prolog? Wilhelmine, ich kenne Dich kaum noch. Was hast Du?«

»Karl, viele Freuden des Daseins machen erst dann Freude, wenn sie glücklich überstanden sind. Die Ausstellung dauert noch bis zum Oktober.« — »Adje,« sagt er.

Ein Glück, daß er in der Fabrik schläft. Tante Lina steht schon um Vier auf und Dorette muß heraus und ich muß heraus. Ottilie liegt wegen ihrer Nerven durch bis sieben. Natürlich zweimal Kaffee trichtern. Tante Lina ißt bei sich zu Hause um zwölf Mittag, wir essen um dreien. Sie geht früh spazieren, traut sich aber nicht allein auf die Straße. Ich muß mit nach dem Friedrichshain. Mein Mann trinkt den Kaffee mit Ottilie. Er findet ihre Augen hübsch. Und dabei soll man Ausstellungsberichte schreiben.

Aber wozu ist Kriehberg?

Ihn allein mit Ottilien durch die Gefilde Treptows streifen zu lassen, das geht nicht, bewacht jedoch Tante Lina sie als Schutzgeist, kann ich ruhig sein. Sie hat so runde betriebsame Augen, und hört auch gut für ihre Jahre, die an den Fältchen im Gesichte kenntlich sind, namentlich auf der Stirn. Auch marschiren kann sie rüstig. Das regelmäßige Leben in der Abgeschiedenheit macht alt und dauerhaft. —