Uns lächelte das Glück. An meines Karls Aufbau war der Regen vorbeigeglitten, um einen Konkurrenten einzunässen; der Adler prangte siegreich in seiner ganzen künstlerischen Schönheit. Wir betrachteten die Sündfluth nebenan, denn kein Mensch ist so hartherzig, daß ihn das Mißgeschick seines Nächsten nicht zur Begutachtung einlüde und als wir den Schaden verhältnißmäßig gering fanden, waren wir zufrieden. Es hätte uns ja das Nämliche blühen können.
In dem Hauptgebäude naschten wir hier und da im Vorübergehen an den gewerblichen Leistungen und strebten dem Freien zu. Im Grünen sitzen, das schöne Konzert der badischen Leibgrenadiere aus Karlsruhe anhören, das war unser Plan. Sie spielen ausgezeichnet, auch ältere Stücke aus altmodischen Zeiten, die mir besser gefallen, als welche die Jüngeren machen. Die fangen an, die Musik windet und krümmt sich, und wenn man meint, nun kommt da 'was, ist die Geschichte aus.
Der Blick auf das weiße Eß- und Trinkschloß mit dem Wasserthurm ist bei Nachmittagsbeleuchtung einzig. Von der Sonne angeglüht, hebt es sich italienhaft von dem blauen Himmel ab, und spiegelt sich in dem See, den Gondeln und Barken beleben. Auch die in den Park hereingeleitete Spree muß verdienen helfen, und das thut sie, indem Hunderte sich für einige Nickel nach dem Karpfenteich hin und zurück wricken lassen. Da ich ebenfalls Gelüste äußerte — Wasserfahrt mit Walkürenritt-Orchesterbegleitung ist eben zu ideal — willigte mein Karl ein, aber gerade, als er die Schwimmscheine für uns lösen wollte, redete ihn ein Herr an.
»Endlich erwische ich Sie,« sagte der.... »Kommen Sie man gleich mit. Sie haben mir versprochen, unseren Pavillon zu besuchen; jetzt hilft kein Sträuben.«
Mein Karl stellte ihn vor: »Herr Schulz, städtischer Beamter, Freund vom Stammtisch.«
Dieser Zusatz wirkte vergällend, denn alle Erfahrungen die ich bis dato mit diesem Möbel gemacht habe, sind unerfreulich. Ich halte den Stammtisch für eine Art Magnet, der nichts Gutes an sich zieht, wodurch die Besseren verdorben werden und sollte thun als wenn ich mich geschmeichelt fühlte. Diesem zu entgehen sagte ich: »Wir wollten gerade ein wenig gondeln.«
»Das ist bei Abend viel schöner,« entgegnete Herr Schulz, »und wir machen um Achten zu. Gehen wir gefälligst.«
Sich mit städtischen Beamten anlegen, halte ich für riskant; ich fügte mich daher, als hätte das Gesetz gesprochen. Auch kam mir unwillkürlich der Gedanke: sollte dieser Schulz wohl gar die Strafe für den Unfug sein, den wir mit Tante Lina getrieben?
Es giebt eine Nemesis, nur daß der Eine früher hineinrennt, der Andere später. Aber gerannt wird.