Herr Schulz hakte meinen Mann unter und zog ihn wie einen Arrestanten vorwärts. Ich folgte, bis vor einer Einbuddelung mit Mauerarbeit gehalten wurde.
»Nur heran,« sagte Herr Schulz. »Nur heran, Madamchen. Hier können Sie sich mit dem Haupt-Kanalisationsrohr der Stadt Berlin anfreunden und Ihre geehrten Vorurtheile gegen die Rieselfelder ablegen. Oder gehören Sie schon zu denjenigen, welche eine höhere Stufe erklommen haben und nichts gegen den Kohl einwenden, den wir bauen?«
»O nein,« erwiderte ich mit einiger Anstrengung zu lächeln.
»Schönecken. Womit die Stadt am meisten zu kämpfen hat, das ist der Unverstand. Sehen Sie dieses Rohr aus besten Klinkersteinen — bitte treten Sie ein — stellt die unterirdische Leitung dar, durch das die Abwässer entfernt werden. Hier an der Seite die Hausanschlüsse. In der Mitte der Einsteigeschacht.«
Wir also hinein in das Rohr. Es war trocken und propper, worauf es beim Gebrauch allerdings keinen Anspruch macht, aber trotzdem war ich froh, als wir es nach Herrn Schulz Meinung hinreichend kennen gelernt hatten. Wir waren doch gekommen, um uns zu vergnügen. Und Kanalisation ist kein Vergnügen.
Hierauf mußten wir uns die Filteranlage gefallen lassen, woran der Fachmann sieht, wie das Trinkwasser für Berlin gereinigt wird. Für die Stadt und ihre Bewohner ist dies von größter Wichtigkeit, Epidemien hängen davon ab und Armenpflege. Aber wenn man Lust hat, fein zu speisen, schwindet das Interesse an den unterirdischen Wohlfahrtseinrichtungen.
Mein Karl und Herr Schulz lagen bei der Besichtigung bald in Meinungsverschiedenheiten und fochten, wie mir schien, alte Stammtischscharmützel über die Stadtverwaltung aus.
Zuletzt legte ich mich ins Mittel und fragte, ob die Herren keinen Durst verspürten?
»Erst das Geschäft,« entgegnete Herr Schulz, »und dann die Weiße. Sehn Sie, Buchholz vertritt die Abfuhr an unserem Tisch...«