»Handarbeiten der Blinden, aus der städtischen Anstalt.«
Ich betrachtete die Sachen. Wie sauber das Geflochtene und Gehäkelte und die Pantinen und was sie Alles herstellen! In ewiger Nacht mit dem Tastsinn gearbeitet! Und viele, viele, die ihr Augenlicht haben, sind faul und ungeschickt. Führt sie her, daß sie sich schämen.
Aus den verschiedenen Fortbildungsschulen sind Fachleistungen ausgestellt. An die Stellen der Handwerksmeister sind Schulen getreten. Wie die Zeiten sich ändern. Ich hatte keine Ahnung davon, wie die Stadt in diesem Sinne sorgt und strebt. Gut, daß man es hier gewahr wird, wenn auch, wie es ja nicht anders durchführbar, blos in Proben.
»Herr Schulz,« sagte ich, »wenn ich eben solchen Hut trüge, wie mein Mann, würde ich ihn hochachtungsvoll abnehmen.« — Mein Karl lüftete pflichtschuldigst seinen spiegelblanken Cylinder, neu aufgebügelt, ohne die kleinste Krampfader darin, den er zur Erhöhung der Festfreude aufgesetzt hatte.
»Lassen Sie den Tintenproppen man sitzen, Buchholz,« entgegnete Herr Schulz. »Besser reden Sie am Stammtisch weniger Unsinn.«
»Wenn Jemand Unsinn redet, liegt es am Hörer,« fuhr ich auf.
»Stimmt! Es giebt Horchlappen, die auf Vernunftgründe nicht reagiren,« sagte Herr Schulz.
»Wie die geehrten Ihrigen,« wischte mein Karl ihm aus.
Ich wollte auch noch einen Satz hinzufügen, aber die Beiden sahen sich an und lachten. Es war nur eine kleine Neckerei gewesen, ein sogenanntes Wortgefecht ohne tödtliche Beleidigung, wie sie, hieraus zu schließen, unter sich gewohnt sind.
Herr Schulz erklärte uns das Rieselfeldmodell, die einzelnen Ackerflächen, wo Getreide gebaut wird und wo Gemüse und wie das Pumpstationswasser durchsickert, daß es klar und rein wird und selbst Goldfischen zum Aufenthalt dient, ohne daß sie an Typhus zu Grunde gehen, wie zwei lebende Beispiele kund thaten. Fischen ist bekanntlich in Gedichten und kleineren Erzählungen immer wohl, allein wer sagt, ob sie in Wirklichkeit nicht doch schon Leibschneiden oder Kollern haben, da sie in eins weg blos Glupaugen machen? Ich kenne nichts Melancholischeres als Goldfische.