»Muntere Thierchen, nicht wahr?« sagte Herr Schulz, als er sie wieder wegthat.
»Schon mehr Schlummerköpfe mit Flossen!« wollte ich antworten, aber ich nahm eine andere Wendung. So darf man städtischen Beamten doch wohl nicht kommen? »Was ist dieses inmitten der Rüben und Radieschen?« fragte ich, »dies Rothe und Weiße?«
»Wenn ich Ihnen das sage, das glauben Sie ja doch nicht.«
»Versuchen Sie's!«
»Das sind nämlich Rosen, Damascener Rosen und daraus wird hier in Berlin in der >Rothen Apotheke< Rosenöl destillirt.«
»Was Sie sagen!«
»Sehen Sie, wie ich schon wußte, kein Deibel will's glauben. Und doch ist es so. In Sachsen fingen sie mit den Rosenpflanzungen an und wir versuchen es jetzt auch mit Erfolg. Denn das deutsche Rosenöl wird in Paris um die Hälfte theurer bezahlt als das beste türkische, weil es mehr hergiebt, feiner ist und garantirt unverfälscht. Was sagen Sie nun?«
Ich war stumm. Dann rief ich verwundert aus: »Karl, was wir so nach Osdorf rieseln, wird Rosenöl! Das übersteigt die kühnste Phantasie.«
»Einfache Ausnutzung der Naturkräfte durch Stadtverordnete, weiter nichts,« sagte Herr Schulz mit bescheidenem Stolz, der hier auch am Platze war, wenn man bedenkt, daß die Behörde aus Abscheu köstlichen Rosenduft gewinnt, während die jüngste Dichterrichtung das Leben aller Kränze entkleidet und die Menschheit mit Sielschlamm begießt.
Die Riesen-Riesel-Kartoffeln, Kohlrabi, Salat, Hafer, Roggen- und Weizenstauden fesselten uns ebenso sehr wie die goldverzierten Fläschchen mit der Rosenessenz und, eh' wir es uns versahen, war Schluß des Pavillons. Wir dankten Herrn Schulz, der darauf bestand, uns zu einer Weißen einzuladen, die wir ihm als städtischem Beamten nicht abschlagen durften.