Neben dem Thier-Cirkus ist das Hagenbeck'sche Affenparadies. Zweihundert Affen in einem Käfig, wo sie Holzpferde haben, russische Schaukeln und Klettergerüste, die Glieder geschmeidig zu halten. Und nur eine Mark vierzig für uns alle. Man athmete ordentlich über die Billigkeit auf, denn zuletzt kommt man sich auf der Ausstellung vor wie in Umlauf gesetzte Scheidemünze.
Die Kinder waren glücklich, und es läßt sich nicht leugnen, der Affe ist possierlich. An dieser alten Wahrheit rüttelt selbst der Ernst der Zeit vergebens. Aber er ist auch boshaft. Ein kleines Aeffchen war, wie man so sagt, drunter durch, wohin es kam, spielten die anderen Affen ihm übel mit, daß es gellend schrie und sich flüchtete. An die Stäbe des Gitters floh es, als wenn es weit, weit hinweg möchte und bewegte die Lippen und quäkte und schalt und zog Falten vor der Stirn und die blanken Augen flogen hin und her.
Da riefen die Kinder: »Das ist Tante Lina! Das ist Tante Lina!« Und lachten und riefen: »Tante Lina!«
Ich verbot ihnen die Unart. Es half nichts. »Wer das noch einmal sagt, kriegt 'ne Abrundung,« drohte Emmi mit einer entsprechenden Handbewegung. Das steuerte etwas. Aber sie lachten innerlich »Tante Lina.«
Ich dankte meinem Schöpfer, daß die Tante nicht zugegen war. Kinder wissen ja nicht, wie grausam sie in ihrer Einfalt sind. Ich nahm Betti abseits, gab ihr ein noch zum Versausen bestimmtes Zehnmarkstück und sagte: »Bleibt Ihr hier und amüsirt Euch, ich muß nach Hause.«
»Wegen Tante Lina?«
»Ja. Sie ist gekränkt, wenn auch das Donnern mehr Scherz war....«
»Welches Donnern?«
»Nichts! Nichts! Ich habe Eile! Geht mit den Kindern in die Milchhalle, wenn sie hungrig werden, und habt gut acht auf sie!« — Ich eilte heim.