Flore sagte: Weil Coutances einmal Franzos ist, und ihr ein Italiener. Zweitens, weil er nach allem was ich erfuhr, ein liebenswürdiger junger Mann sein soll, ich aber in euch einen närrischen alten Pantalon sehe.

Perotti schäumte vor Zorn, ballte die rechte Faust, murmelte ein paar italienische Flüche, und schwur, den Schimpf wolle er rächen. Doch that er gleich darauf wieder freundlich, und unsre Heldin meinte, er würde ihre Offenheit wieder vergessen haben. Das thut aber ein Italiener so leicht nicht.

Man kam nun dem Königreiche Darfur näher, und Florens Furcht ward größer. Sie beschwur den Italiener aufs Neue sie loszukaufen. In Mannskleidern, setzte sie hinzu, werde ich euch begleiten, vielleicht auch in euren Absichten nützlich seyn, und was ich verhieß, soll euch in Cairo werden. Sie bot mehr wie vorher, aber konnte ihn nicht erweichen. Endlich, da man an der Gränze des Landes war, vertraute sie sich ihm in der Angst näher. Ich will euch selbst das Geld zu meiner Loskaufung geben, sagte sie.

„Wie, ihr besitzet Geld?“

In den Kleidungsstücken verborgen, Geld und Edelsteine, aber verrathet mich nicht.

Um des Himmels Willen, versetzte Perotti, steckt mir alles zu, was ihr habt. Denn auf dem Markte müßt ihr alle eure Habseligkeiten in des Kaufmanns Händen zurücklassen, wenn ihr verkauft werdet. Nackt übergiebt man euch dem Käufer. So ist die Sitte. Dankt dem Glücke, das mich hieher führte, ich kann das Eure retten und aufbewahren.

Flore würde in Europa dem Signor Perotti vielleicht nicht gern einen Dukaten anvertraut haben, aber hier war es ein anderes. Bei dem Sklavenhändler ging ihr Habe gewiß verloren. Daß sie sie noch besaß, war blos der Vermuthung Musas zuzuschreiben, jene Mammelukken würden sie durchsucht, und geplündert haben. Gab sie dagegen die Kostbarkeiten und das Geld dem Italiener, so konnte er doch nur in einem Anfalle der schwärzesten Bosheit etwas davon veruntreuen, und die glaubt man in der Fremde um so weniger von einem Landsmanne, als man sich selbst wärmer zu ihm hingezogen fühlt.

In einem Augenblicke also, wo Musa schlief, und die Kameeltreiber ihr Mahl zurichteten, übergab Flore dem Italiener ihr Vermögen. Gern, sagte er, stellte ich darüber eine Handschrift aus, aber ich habe keine Schreiberfordernisse zur Hand. Hier ist ein Taschenbuch und ein Bleistift. Um Leben und Todes Willen —

Perotti bescheinigte den Empfang und Flore fragte nun: wann denkt ihr um mich zu feilschen? Perotti erwiederte: Wenn wir in die Residenz des Sultans von Darfur kommen. Dort findet der Handel Schutz. Wer steht dafür, wenn ich euch unterwegs kaufte, daß nicht ein anderer Neger euch wieder gewaltsam entriß. Welche Hülfe könnten wir anflehen?

Flore fand die Bedenklichkeit gegründet, forderte aber, Perotti sollte sich ja beim Eintritt in die Stadt einfinden, auf dem Markte könne sonst der Sultan den Vorkauf haben.