Die Gesellen einer sicheren Zunft, weigerten sich bei der zunehmenden Theurung, noch um den auf wohlfeile Zeit gewürdigten Lohn zu arbeiten. Daß viel Recht auf ihrer Seite seyn mogte, fühlt man, ein Jurist beweiset aber: nein! Es giebt da auch das allgemeine Argument: sie müssen ihre Beschwerde dem Richterstuhl vortragen, nicht aber durch Tumult die öffentliche Ordnung stören. Nun liegt zwar am Tage, daß der Richterstuhl nicht wohl helfen kann. (denn den Geldwerth zum Staatsverhältniß im Gleichgewicht zu erhalten, dazu gehört eine höhere Weisheit, wie die der Justiz, wiewohl eigentlich die Justiz diese Weisheit besitzen und üben, vielleicht auch weil, Justiz, Weisheit, Regierung, dasselbe seyn sollte, aber die Nothwendigkeit des zweiten Satzes wird jedermann einräumen.) Genug, diese Gesellen wurden vom Gefühl ihres Rechtes, jugendlichen unüberlegten Eifer für dasselbe angetrieben, statt der Arbeit, das Trinkhaus zu besuchen, um dort in Versammlung aller Glieder Abreden für die gemeine Sache zu nehmen. Hier wurden die Jünglinge noch mehr erhitzt, es kam dahin, daß Soldaten gegen sie gebraucht wurden, sie meinten, sich widersetzen zu müssen, so wurde es schlimmer und mehrere blieben auf dem Platz.
Bei dem Tumult, der sich dadurch verbreitete und wobei die größeren Bewegungen nur Neugier oder Furcht zur Ursache hatten, meinte aber ein hoher bürgerlicher Beamter in dem Orte, es liefe auf Staatsumwälzung hinaus, und bat den Befehlshaber der Besatzung dringend, von allen Gewaltmaasregeln abzulassen. Dieser willigte ein. Aber sehr natürlich wurde nun das Uebel größer. Da ließ man denn unterhandeln, gab übereilt mehr nach, als zufolge der Umstände thunlich war, ja bewirthete die jungen Handwerker mehrere Tage auf öffentliche Kosten. Diese erklärten endlich, sie wollten ihre getödteten Brüder ehrenvoll beerdigen. Man ließ es zu, und jene richteten nach ihrer Weise einen stattlichen Pomp an. Endlich forderten sie noch die Erlaubniß, alljährlich am Todestage der Gefallenen, einen Aufzug zu ihrem Andenken halten zu dürfen. Um den Preis der öffentlichen Ruhe fanden sie auch hier keine abschlägige Antwort.
Bald darauf ging der Gebieter der Besatzung ab, und ein anderer trat in seine Stelle. Er hatte gehört, was vorgegangen war, und fühlte durchaus verschieden mit seinem Vorgänger. Wird dieser Aufzug künftig gestattet, sagte er, so ist er jedesmal nicht nur Hohn der Obrigkeit, sondern auch neue gefährliche Auftritte sind zu besorgen, die Uebermuth und Trunkenheit erzeugen können, und wie ihn auch der bürgerliche Staatsbeamte anlag, so erklärte er rund und nett, es sey mit seiner Ehre unverträglich, das Vorhaben zuzugeben. Der Tag kam heran, die jungen Leute hatten beschlossen, ihn vom frühen Morgen auf der Herberge zu feiern, und Nachmittag die Prozession zu vollziehn. Es wurde ihnen gesagt, daß es Herkommen sey, dem Befehlshaber des Orts, von allen zahlreichen Versammlungen auf den Gassen Nachricht zu geben. Es wurden also die drei ältesten mit der Meldung beauftragt. Sie langten bei dem General an, und sagten ihm kurz hin: Wir halten heute den Umzug. Kalt erwiederte dieser: Ihr haltet ihn weder heute noch jemals, und nach einer Erklärung seiner Gründe, mahnte er sie freundlich ab. Aber gestützt auf die vorjährige Nachgiebigkeit, versicherten sie mit lachendem Trotz: es würde dennoch geschehn. Nun machte der Befehlshaber Ernst. Wo sind Eure Kameraden? — Sie nannten das Wirthshaus. — Gut, jetzt ist es neun Uhr, mit dem Schlag zehne bin ich dort, und sind dann nicht alle an ihre Arbeit, würfelt ihr drei, und der das mindeste zählt, hängt noch Vormittag. Darauf meine Ehre!
Er schickte nur gegen die bestimmte Zeit, und man fand leere Zimmer.
Neuntes Kapitel.
Fortsetzung.
Nene eilte auf ihr Cabinet, dem Sultan zu schreiben. Menschlich dein und des Volkes Heil fördernd, will ich gern Dein Reich verwesen. Doch rohe Grausamkeit muthe mir nimmer zu, oder suche Jemand, in dessen Herzen die Stimme des Gefühls, in dessen Verstande das gesunde Urtheil nie gehört wurde. Auch kann nur Unklugheit das rechte Gefühl verleugnen. Es werden Männer zu dir kommen, denen ich gebieten mußte, ihre Köpfe zu deinem Richtplatz zu tragen. Sie werden dir erzählen: warum? doch bitte ich, begnadige sie. — Dies war des Briefes Hauptinhalt.
Da sie den Eilboten abgefertigt hatte, ließ sie Osmann rufen. Er stürzte der großmüthigen hochherzigen Lebensretterin zu Füßen. Jedermann hebt in solchem Falle auf, folglich auch unsre Heldin. Dann sah sie aber den Egyptischen Kaufmann mit einem langen Blicke an, und fragte nach einer Pause: Wie ist dein Name, Egypter?
Er nannte den nämlichen, welchen er schon angegeben hatte, doch diesmal mit einigem Stottern.
Flore. Vorhin, als der Mann den Todesstreich nach dir richten wollte, sanken ergeben deine Knie in den Staub, und von deiner Lippe entfloh ein Name — ein weiblicher Name — ein Name, nicht gewöhnlich in der Türkei.
Osmann. Ich — wähnte den Augenblick des Sterbens nah. Ohne deine himmelgesandte Rettung —