Der Alte vernahm außer sich das Weitere, und sank auf die Knie, dem Himmel zu danken.

Letztes Kapitel.
Wilder Sturm in die Freude.

Das Regiment der Sultanin hatte sich seit jener siegreichen That gar sehr befestigt. Hatte Flore einst durch Schönheit gewonnen, so war ihr jetzt das Urtheil zugethan. Kuku hat doch eine gute Wahl getroffen, hieß es, da er der Cafferin den Szepter übergab. Und sie muß doch mit ihm einverstanden seyn, wissen, wie viel sie wagen darf. Freilich war man denn sehr gespannt, wie Kuku die letztere Verweigerung aufnehmen würde, und daran hing allerdings zuletzt Florens Gewalt.

Indessen erfreute sie hoch, was sie jetzt wahrnahm, und Schmeicheleien oder angelegte Plane täuschten sie nicht mehr. Mustapha und Osman (unter diesen mahomedanischen Namen blieben Alonzo und Coutances um die Sultanin) mußten alles mit eignen Augen sehn, genau forschen und Bericht erstatten. Nene ritt oft und unverhofft aus, und unterrichtete sich dazu selber. Die Kammerherren bekamen die Aufsicht über die Rosenölfabrik, und durften nichts mehr von Staatsdingen reden.

Sie erließ neue Edikte, und folgte darin einem Wink des Landsmannes. Zwar kann ich auch, hieß es darin, mit Gewalt zur Vernunft zwingen, da ihr aber oft zeigtet, daß die Dummheit euch lieber ist, so will ich denn hiermit meinen ersten Befehl widerrufen, und jeden Freund der Dummheit in Darkulla berechtigen, seiner Lieblingsneigung zu folgen.

Schon waren die Köpfe im Streit gegen die Neuerung thätig gewesen, aber das giebt grade die Gelegenheit, des Gegners Lichtseite auch zu bemerken. Giebt er nun von selbst nach, so hört der Grund auf, diese Lichtseite zu schmähn, und des Strahles Helle, fängt an zu gefallen.

Die Herren konnten nun also wieder der Knechte Köpfe aus Kurzweil abhauen. Es geschah aber nicht mehr. Die Knechte wurden wieder gut genährt, nun gefiel ihnen doch die Sicherheit des Lebens, und sie hätten auch das Gesetz zurückgewünscht. Man durfte nackt gehn, aber am Hofe schimmerten doch die Kleidungen ganz artig. Es wurde schon von nächtlich rauher Luft geredet, von Sicherheit gegen das Ritzen der Dornen. Die Stoffe, welche Osmann anfertigen ließ, waren überaus dünn und leicht, dabei sehr bunt und nett, und — sie gingen bald reissend im Kauf. Es standen sogar Starkgeister in Darkulla auf, die meinten: die goldnen Eselinnen im Paradiese mögten wohl nur so eine Figur seyn, und wenn die Sultanin den Titel nicht mögte, so liefe es der Religion nicht zuwider, artig zu seyn.

Genug, wenn Flore das Volk sah, so wurden der Schürzen immer mehr, und der Zischer beim Klatschen der Menge immer weniger. Und Kammerherrn hatten diese Klatscher gewiß nicht gedungen, denn keiner darunter war parfümirt.

Die Glieder vom Divan waren zwar nichts weniger wie ausgesöhnt mit den neuen Erscheinungen. Sie meinten, der Volkscharakter fange an zu knarren und zu knistern, und werde nächstens ganz aus den alten Fugen geschoben seyn. „Ja daß Kuku und Tata eine Schlacht verloren haben, woran wirds liegen, als daß schon beim Heere von den Gesinnungen der Sultanin Nene geredet ward. Der Gedanke an Werth des Lebens folgt. Diesem die Liebe, und wer wirft gern hin was er liebt.“

Doch waren die Nachrichten aus dem Felde jetzt etwas beruhigender. Das geschlagene Heer hatte sich in eine gebirgigte Stellung geworfen, worin Gigi so leicht ihm nichts anhatte. Abermals waren Friedensvorschläge eingetroffen, und die Forderung, Mustapha und Osmann auszuliefern. Kuku hatte aber antworten lassen: er erwarte ihre Köpfe, und werde sie richtig übermachen. Damals hatte er von Nenes Botschaft keine Nachricht haben können.