Nichts weiter. Die — Liebenden hört ich nur, lassen im Morgenlande die Blumen reden.

Fatme wurde erwärmter, kühner. Sie erklärte ohne Umschweif, ihr Eheverhältniß sei freudenlos, ihr Gemahl bei aller Hülle der Liebenswürdigkeit, liebe nicht. Eine nur zu deutliche Erklärung folgte. Flore am ganzen Leibe bebend, hub nun an, der Türkin eine Moralpredigt, über die Pflichten der Treue, zu halten. Die Andere entschuldigte sich wortreich durch des Gemahls Vernachlässigung. Flore suchte nur kräftiger mit Tugendsprüchen einzudringen, und citirte sogar Stellen aus dem Coran, noch von den Lehren des Derwisch im Gedächtniß. Doch die Kraft der Liebe überwältigt Coran, Evangelium, Talmud und Sanscritt; nur Fatmens Ungestüm antwortete, und der vermeinte Edelknabe wurde mit flammendem Trieb an der Türkin Busen gepreßt.

Im höchsten Moment der Verlegenheit, hörte man aber ein Geräusch, die Sklavin stürzte warnend ins Zimmer, und auf dem Fuße folgte ihr — der Bei. Noch hörte Fatme nicht, wohl aber Flore, die sich in der fürchterlichsten Bestürzung losriß.

Der sonst so schonende Muselmann wüthete. Verwünschungen stieß er gegen seinen Itschoglan aus, Verwünschungen gegen Fatme, und rief: der Tod sollte ihn an beiden rächen. Ein Dolch der an der Wand hing, war bald ergriffen.

Flore warf sich nieder. Verzeihe Herr, daß mein Geschlecht dir heimlich blieb. Sie riß ihr Oberkleid auf, eine Gesticulation, die wohl zu rechtfertigen ist, wo es Leben und Tod gilt. Siehe, wie kannst du eifersüchtig gegen die schuldlose Fatme wüthen?

Die plötzliche Erscheinung des Gatten zu begreifen, muß aufgeklärt werden, daß all die bisher seinem Pagen erwiesene Huld — unlauteren Ursprungs war. In derselben Nacht, wo Fatme die durch reiche Geschenke bestochene Sklavin sandte, hatte auch er einen Besuch in Florens Schlafzimmer beschlossen. Er langt an, findet Niemand, argwohnt, und eilt zu seiner Gemahlin.

Der Dolch entsank seiner starren Hand, wie Flore ihr Geheimniß verrieth. Fatme sprang erstaunt zurück, heftete aber noch, und ohne den Bei zu fürchten, die entbrannten Strahlen ihres dunklen Auges auf die Entschleierte; der Bei blieb in liebender Stellung angewurzelt.

Fatme ließ den Gemahl Vorwürfe hören, die sein Recht zur Eifersucht streitig machten, und schloß mit der Bitte: ihr die Europäerin zur Sklavin zu geben. Erhöre mich, war ihr letztes entschlossenes Wort, oder brauche den Dolch wider mein Leben.

Sei mein Weib, mein Weib! flehte der Bei mit schmachtender Lippe.

Siebentes Kapitel.
Flore im hohen Glanz der Tugend.