Die Tugend ist kein Erbtheil der Ahnen, wiewohl das ächte Beispiel sie erzeugt, sie kann ein Kind der Erziehung und Grundsätze sein, aber bisweilen ist sie so gut eine zufällige Erscheinung, wie tausend andre Dinge in der Welt, und unter andern auch das Laster. Sagt Schiller im Prolog zu seinem Wallenstein, der Gerechtigkeit der Kunst das Wort redend, mit Recht:
Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang,
Und wälzt die größte Hälfte seiner Schuld,
Den unglückseligen Gestirnen zu,
So müsse man denn auch bei Tugendgemälden der Kunst, behaupten können:
Sie sieht des Menschen hohe Edelthat,
Und wälzt die größte Hälfte ihres Ruhms,
Den freundlich waltenden Gestirnen zu.
Wir werden Floren hier sehr tugendhaft sehn. Durch beider Theile Zuneigung fand ihr weiblicher Stolz süße Nahrung, das Andenken an beider Güte konnte auch nicht schweigen, wenn gleich das Bild der entdeckten sittlichen Verderbniß abschreckend war. Sie hatte, wie sie sich oft gestehen mußte, in dem Bei nicht allein den großmüthigen, sondern auch den schönen Mann gesehn, und wir hätten für nichts einstehen mögen, wäre jener von ihrem Geschlechte unterrichtet, liebend im Boudoir erschienen. So aber konnte doch kein Schimmer von Liebe übrig bleiben, und der Gattin Anblick, mahnte um so mehr, Bekehrung und Versöhnung zu erstreben.
Sie sammelte also alle ihre bekannten Worte der Landessprache, fügte sie so rednerisch wie es ihr möglich ward, legte allen oratorischen Nachdruck auf den Ton der Stimme, und ließ die Geberde mit aller Rührung, die sie hervorzubringen wußte, die Apostrophen begleiten.