Chevalier. Nein Madame, in dem Talent zu hintergehn, wie in der Gewalt, in Ketten der Liebe zu werfen, erkenn ich ihre Obermacht. — O diese Thränen, die gleich den meinigen geboten — Gräfin, wenn ich sie würdigte, nahm ich einen kühnen Flug, doch um einen ganzen Himmel höher liegt der Gipfel, auf den sie heute meine Bewunderung tragen.
Gräfin. Ein Lob ohne Poesie, eine Erkenntlichkeit ohne Ausschweifung will ich um sie verdienen. Was ich beschloß für Sophien zu thun, wenn sie den Baron heirathete, geschehe auch jetzt. Sie verdienen sie, so nehmen sie denn Sophiens Hand!
Chevalier. (gerührt) Ah Madame! Blickten sie in mein Herz — Neben so holder Schönheit, ein so reiner wahrer Edelsinn, so emporhebende Reize, so niederwerfende beschämende Großmuth — ich trag es nicht —
Gräfin. Das Glück meines Lebens bedingt ihre Freundschaft!
Chevalier. Nur meine Freundschaft? Arme Forderung! Nicht mein Leben? Nicht —
Gräfin. Ich verlange, was sie gewähren können —
Chevalier. Hätten sie — o ich Unglücklicher!
Gräfin. Nehmen wir Platz. (setzen sich) Ich fahre fort, ihnen mein Herz vollkommen zu offenbaren.
Chevalier. (vor sich) Wüßt ich nur recht, was in dem meinigen vorginge.
Gräfin. Jetzt — da wir gegen einander alle Gefallsucht verbannen, können wir uns zutraulich nahen.