Der Rath wurde befolgt. Ich hörte dreierlei verhandeln. Einmal die Nothwendigkeit neuer Auflagen, wobei die älteren aufgezählt wurden, deren fast auf allen Lebensbedürfnissen bestanden, so daß ein Einwohner dieses Landes, die Abgaben zu erschwingen, mehr als die Hälfte seiner Vermögenseinkünfte geben, oder mehr als die Hälfte seiner Zeit, um diesen Zweck arbeiten mußte. Leibeigne zur Hälfte, waren also diese gepriesenen Freien. Eben bewilligte man eine Abgabe auf das Trinkwasser. Dann wurden die nothwendigen Summen zur Erhaltung der Kriegsprahmen für das laufende Jahr gefordert. Sie waren so hoch, daß ich wohl begriff, wie das meiste, was dies Volk von anderen im Handel gewann, auf dem Wege der Auflagen den Einwohnern wider abgenommen werden mußte, um jene große Kosten zu bestreiten. Endlich kam die Schuld der Nation zur Sprache. Sie betrug weit mehr, als den Werth des Landes, mit Allem was darin ist. Also war man nicht reich, sondern arm, nicht nur arm, noch weniger. Der Wucher baute eigentlich doch nur das Unglück der Menschen, wie riesenhaft er auch seine Spekulationen anlegte.

Ich begab mich vor die Stadt hinaus. Da sah ich ein Lager bei dem anderen, überall Waffenübung. Was bedeutet dies? fragte ich einen Spaziergänger.

Das sind unsere Freiwilligen, gab er zur Antwort.

„Und wozu versammelt ihr so viel Jugend? Entzieht dem Ackerbau so viele Hände?“

Aus Furcht vor einem Angriff der Vercingenten, die über den Strom kommen mögten. Schon Jahre lang sind wir so in Bereitschaft. Noch Jahre lang werden wir es fortsetzen müssen. Wohl ist es nothwendig. Die Vercingenten können sechs Mann stellen, wo wir einen stellen, sind fertig im Landkriege, wir müssen auf unsrer Hut sein, daß wir die Ufer vertheidigen.

„So viel Angst, Sorge, Mühe, Verbrechen und Gewinn, der am Ende doch wieder in Nichts zerfließt. Und wenn nun den Vercingenten es dennoch einmal gelänge, den Fuß siegreich ans Land zu setzen?“

Dann würden die Vornehmsten und Reichsten entfliehen. Mögten die Feinde das Land hinnehmen.

„Und das Land würde seinem Unheil überlassen, die Schuld wäre quitt? — Adieu Land der Carthager! Ich habe das Land der Freiheit, Großmuth und der Handelsherrlichkeit gesehn.“


[4] Königen.