Von der Zeit an sahen sich die Liebenden öfter. Viel inniger noch wurden ihre gegenseitigen Beziehungen und dennoch mehr Verständigkeit hineingelegt. Die Rückwirkung war für jeden Theil segnend.

Gelino, der sorgsame Lehrfreund, hatte schon im Laufe jenes Jahres manche Veränderungen bemerkt, welche Guido in seinem Charakter zeigte. Der Uebergang war zu plötzlich gewesen. Die Fortschritte im Guten hatten zu schnell geeilt, als daß der lebenserfahrne Greis nicht richtig auf den Grund davon hätte schließen sollen. Gleichwohl konnte er nichts weiter erspähn, da Guido in diesem Zeitraume fast seine Wohnung nicht mied.

Auch Athania, die edle Erzieherin, war zu scharfsichtig, um nicht Ini bald aus ihren Umgestaltungen zu errathen, wenn ihr gleich der Jüngling ihrer Liebe noch ein Geheimniß blieb.

Doch da die Liebenden sich nachher öfter zusammenstahlen, konnten sie der forschenden Beobachtung nicht entgehen. Beide Alten waren schnell mit ihrem Glauben aufs Reine und bei einer Zusammenkunft entstand folgendes Gespräch.

Gelino. Werthe Athania, mein Zögling scheint Ini zu lieben.

Athania. Eben wollte ich dir meine Bemerkungen über diesen Gegenstand vortragen.

Gelino. Ich gerathe in keine kleine Verlegenheit. Wohl hat diese Liebe, ohne Zweifel die erste, und eben so gewiß auf eine würdige Art erwiedert, Veredlung im Gefolge, dennoch muß ich darauf sinnen, wie sie am bequemsten zu hindern sei.

Athania. Harte Strenge gegen die jungen Seelen.

Gelino. Aber nothwendig. Der Kaiser nimmt sich meines Guido, den er hier kennen lernte, an, hat mir bei seiner letzten Gegenwart vertraut,

wie er ihn zu hohen Staatsämtern berufen wolle.