Guido freute sich hoch. Ich gestehe, sagte er, wie mir vor dieser Reise ein wenig bangte. Durch die Luft, fürchtete ich, würde es dir zu kalt sein, und wie ein Wagen eine Bahn in der starren Winterdecke finden werde, konnte ich nicht begreifen.
Sie besahen nun die schöne Stadt, reich durch einen üppigen Handel, und einen glänzenden Fürstenhof. Guido nahm jedoch einen andern Nahmen an, denn sein Ruf war vorangeeilt, und er wollte sich so wenig durch Schmeicheleien betäuben, als in seiner Lernbegier stören lassen.
Unter den mannichfachen Sehenswürdigkeiten, gefiel unsern Reisenden nichts mehr als die Wintergärten, welche man hier angelegt hatte, um das Anschauen grünender Natur nicht so lange zu entrathen, als der unfreundliche Himmelstrich gebot. Fast jeder von den Reichen besaß eine solche liebliche Anstalt; die weitläuftigste darunter war jedoch öffentlich, wurde von der Gesammtheit
erhalten, und es stand jedem Einwohner und Auswärtigen frei, sich dort zu vergnügen.
Eine dicke Mauer von Quadern umzog einen Raum von mehreren Tausend Schuhen im Gevierte. Der ganze Boden war hohl, Pfeiler von großem Umfang trugen seine Gewölbe, und durch viele Eisenöfen, deren Züge und Röhren künstlich umhergeleitet waren, empfing die geläuterte, auf alle Weise fruchtbar gemachte Erde, die auf dem Gewölbe lag, Erwärmung.
Von diesen Vorkehrungen ward jedoch Niemand oben etwas inne. Man trat durch ein Thor in eine Vorhalle, die wieder zu einem geräumigen Saal führte, schon milder in seiner Temperatur als jene. Durch doppelte und verhüllte Thüren, damit die Kälte nicht eindränge, gelangte man weiter.
Aus diesem Saal führten andere Thüren in eine breite Gallerie, deren hohe bis zur Erde reichende Fenster, von Polkristall, nur nach Innen gingen.
Und wohin? Durch die starre Kälte, wie Dezember und Januar unter dieser Breite geben, trat man in die Vorhalle mit frierendem Athem, das Haar mit Eis behangen. Aufwärter reinigten
die rauhe Fußbekleidung von Schnee, und säuberten des Ankömmlings Locken. Im andern Saale fand man den Pelz beschwerlich, und gab ihn ab. In der Gallerie wehten milde Sommerlüfte, das Auge blickte froh durch die Fenster hinaus auf liebliche Grüne, auf Veilchen, Jonquillen und Rosen.
Ein angenehmes Parterre bot sich im Halbrund dar, reich an Florens Pracht, mit holdem Duft labend, begränzt durch dunkle Katalpenbüsche, aus denen reizende Marmorgebilde winkten.