Selige Ueberraschung! Frohes Athmen, süße Wandlung durch den kleinen Platanenhain, an silberhellen Bächen hin, über beblümte Hügel, wo sich hinter Teichen weite Aussichten in reizende Gebirglandschaften öffneten. Der Staunende, nicht vertraut mit des kleinen Paradieses Kunst, begriff nicht, was er sah, und rief die Fabeln der Wohnsitze mithischer Zauberinnen und Hesperidengärten in die Erinnerung.

Der kurze Tag entfloh bald; wer vermogte sich von dem Heiligthume zu trennen? Im Dämmerlichte gewannen die mannichfachen Schönheiten erhöhten Reitz, Nachtigallen flöteten aus

Blüthenzweigen nieder, in Jasminlauben horchten die Lustwandelnden ihrem Gesang. Bald stieg aber der Mond empor, hoch im Norden am Aether hangend, und goß seine Schimmer verklärend nieder. O Ini, seufzte Guido tiefbewegt, könnt’ ich an deinem Arme hier den Himmel fühlen!

Und wie hatte der kluge Fleiß dies alles geschaffen? In den dicken Mauern der Umgebung lagen, wie unten, Oefen verborgen. Die großen, hie und da zerstreuten, Eichen und Fichten, waren durch Kunst der Natur nachgeahmt, zum Theil hohl, um in den durchgeführten Röhren Wärme auszuhauchen, damit auch oben eine gleichmäßige Temperatur erzeugt würde, zum Theil bestimmt die hohe Glasdecke zu tragen, die sich zwischen ihnen in kleinen Gewölben senkte und hob.

Glassteine, rein und klar genug, den Lichtstrahl nicht zu hemmen, und doch von der nöthigen Stärke, um alle Kälte abzuwenden, bildeten diese Gewölbe. Kein Kitt verband sie, sondern man hatte im Bauen ihre Seiten durch Feuer erweicht und sie sich so verschmelzen lassen. Die Anstalten mangelten nicht, sie Außen

vom Schnee und Inwendig von Dünsten zu reinigen, und so war die glückliche Täuschung vollendet. Die weiten Aussichten hatte allerdings die Malerei gestaltet, aber so trefflich, daß das Auge vollkommen betrogen wurde, um so mehr da es kleine Teiche klüglich hinderten, zu den, Fernen lügenden Wänden, zu dringen. —

Unterdessen kam in Moskau ein Schreiben vom Strategion zu Rom an. Eine lange Berathung hatte es aufgehalten. Nicht gern wollte man so früh einen Jüngling belohnen, damit der Sporn zu höherem Streben nicht mangle, und dennoch hatte dieser Jüngling durch so frühe Thaten, Lohn verdient. Endlich sandte das Strategion dennoch eins von den großen Ehrenzeichen, wie sie Feldherren nach gewonnenen Schlachten empfingen. Man besann sich, daß Guido schon in sehr frühen Jahren Beweise seines erfinderischen Kopfes geliefert habe und dies gab den Ausschlag. Ein aufmunterndes Schreiben, von des Kaisers eigener Hand, lag bei.

Guido befand sich aber nicht mehr in dieser Stadt und Niemand wußte dort, wohin er gereiset sei. Er hatte dagegen die Weisung zurück gelassen, im Fall Briefe an ihn überkämen, sie

nach Sizilien zu senden, daneben die Aufschrift, an Ini.

Diese empfing nun durch die Eilpost jene Gegenstände. Gleich schmeichelhaft für Geliebte und Geliebten.