Das Klima in diesem Lande ist weit milder geworden, seitdem unnütze Kriege, verderbliche Immoralität und Krankheiten, gegen welche die unvollkommene Heilkunde wenig vermochte, nicht mehr die Zunahme seiner Bevölkerung hemmen. Mit ihrem Anwuchs veredelte sich der Boden wovon eine mildere Luft immer die Folge ist. Der Mais- und Reisbau sahen hier schon lange erwünschten Fortgang, und zwei Ernten sind gewöhnlich. Wenige Morgen nähren eine Familie bequem, und werfen noch einen Ueberfluß ab, von dessen Verkauf, sie nicht erzeugte Nothwendigkeiten anschaffen kann. Das in dem, vortrefflich zubereiteten, Boden durch Maschinen gepflanzte Wintergetraide, gelangt um die Mitte des Junius schon zur Reife, und lohnt meistens
funfzigfältig. Man mäht es durch kunstreiche Sichelwagen, die zugleich abschneiden, aufladen und hinterwärts den Boden wieder pflügen, wodurch die Arbeit gar sehr vereinfacht wird. Nun ist Zeit genug übrig, das Feld wieder mit Sommerkorn, Gartengewächsen, Fütterungkräutern zu bestellen, wovon der Fleiß noch reichen Gewinn im Spätjahre zieht. Dies würde aber nicht immer glücklich von Statten gehn, hätte man nicht das Mittel erfunden, die angebauten Fluren, gegen Kälte im Lenz und Nachsommer zu sichern. Wenn die Witterungmesser einen Frost ankündigen, eilt der Landwirth sein Feld mit großen Strohmatten zu überdecken. Bei den kleinen Landporzionen ist es leicht dies Mittel anzuwenden. In Wintertagen fertigt das Gesinde aus dem reichlichen Stroh die Matten, über Bäume spannt man sie zeltartig, Fluren werden ebenhin damit bedeckt.
Bemerke, wie sorgsam jeder Eigner, von jedem Schuhgevierte, Ertrag zu ziehen sucht. Ein Zaun von nutzbarem Strauchwerk, umläuft verwachsen die Scholle. Kleine Beeren und kleine Nüsse mancher Gattung blühen darauf. Das Feld ist mit edlen Obstbäumen beflanzt, an die
üppige Weinreben sich hinaufwinden. Ihr Schatten fährdet die Saaten nicht, bei einem so kräftig gemachten Boden, und beim Pflanzen trägt man kluge Sorge die Wurzeln nicht zu verletzen, was bei den guten Maschinen zu diesem Gebrauche leicht wird.
Futterkräuter, gewisse wohlnährende Rübenarten, getrocknet Baumlaub, sind dem Viehe bestimmt, und leicht zieht eine Familie davon so viel auf, um mit Milch, Butter und Fleisch versorgt zu sein. In jedem Hause befindet sich eine Kelter, eine Anstalt zum Brauen, eine Anstalt zum Fertigen gebrannter Wasser, im Kleinen. Die Arbeit daran ist so vereinfacht, daß auch ein Kind ihr vorsteht.
So ist also für den Unterhalt dieser Menschen reichlich gesorgt, und die eitle Furcht ob einer zu großen Bevölkerung, in rohen Zeitaltern oft angekündigt, würde nur Lachen erregen. Jedes neue Glied, das in die Gesellschaft tritt, kann auch einen neuen Spielraum nützlicher Thätigkeit finden und seinen Bedarf gewinnen. Nach den vielen Erfahrungen welche man sammelte, nach den vielen lehrreichen Entdeckungen, welche gute Köpfe im Erproben des Ausführbaren
machten, ist jedermann lebendig überzeugt, die Fruchtbarkeit des Bodens sei noch um ein Ansehnliches weiter zu treiben, ja die Gränze, welche einst der klugen Pflege ein Ziel setzen könne, durchaus nicht abzusehn. Und träte ja nach Jahrhunderten, der unerwartete Fall ein, mehr Menschen erzeugt zu sehn, als der Landesertrag nähren könne, so weiß man gar wohl, das es noch schlecht bebaute Länder genug in anderen Erdtheilen giebt, wohin sich Kolonien senden lassen. Afrika enthält in seiner Mitte große Wüsten, die, einst urbar gemacht, unermeßliche Ausbeute liefern werden. Am Susquehannach, am Orinoko, am Amazonenfluß sind weitläuftige Strecken bereit, neue Millionen aufzunehmen. So rüstig auch der Altbritte daran ging, Ulimaroa, welches den Umfang von halb Europa hat, und die weitläuftigen Inseln, Neu-Guinea und Neu-Seeland, an Bewohnern reich zu machen, so hat doch, im Verlauf weniger Jahrhunderte, immer noch nichts Erhebliches geschehen können, und Auswanderer würden dort höchst willkommen sein. Ja, wie die Lehrer der Wissenschaften behaupten, in denen die Umgestaltung des Erdballs abgehandelt
wird, und wo man die jährliche Meerabnahme nach unbezweifelten Erfahrungen berechnen lernte, wird nach einigen Jahrhunderten, ohne das im achtzehnten einst gefundene Polinesien, ein ungeheurer neuer Erdtheil, aus dem stillen Ozean, westlich von Amerika, treten. Die unter dem Meere hinstreifenden Parallel- und Meridian-Gebirge verbreiteten hierüber schon in alten Zeiten Licht, jetzt hat man ihren Zusammenhang deutlicher erkannt, und vermag überhaupt aus der Vergangenheit genauer auf die Folge zu schließen, weil sinnige Forscher, ihre Beobachtungen der Nachwelt, ein schätzbares Erbe, vermachten. So ist jetzt unter andern die Insel Owaihi, weit größer an Umfang, als zu der Zeit, wo ein kühner Seefahrer, Cook genannt, sie entdeckte. Die ziemlich großen und hohen Eilande, westlich von Peru, hießen vor Jahrhunderten die niedrigen Inseln, ein Beweis, wie damals die See höher an sie hinaufspülte. Das Senkblei fällt in ihrem Bezirk immer seichter, die Meermoose nehmen zu, die Taucher können dort in der Tiefe mit Leichtigkeit beobachten, und aus allen diesen Umständen läßt sich die Richtigkeit jener Verkündung ahnen. Alle die Inselketten
in jenem Meere werden dann die Gebirgrücken des neuen Erdtheils sein.
Guido sagte hier zu seinem Lehrer: Du drängst mein Nachsinnen in einen noch tieferen Hintergrund. Es macht zwar froh, so viel neue Möglichkeit des Lebens zu träumen, auch sehe ich nur Vortheil für das Geschlecht darin, wenn junge Länder zum Anbau einladen, wenn die Kaspische See, das schwarze Meer, das mittelländische Meer, trocken geworden, mit Städten und Dörfern übersäet werden können. Wo soll das aber endlich hinaus? Wenn nun das Wasser, nach manchen Jahrtausenden, ganz vom Erdball verschwände, müßte nicht die Menschheit, an seinen Verbrauch unabläßig gebunden, jammervoll untergehn?