Es ist übrigens hergebracht, daß vor dem dreißigsten Jahre kein Fürst das Szepter in die Hand nehmen darf, wird ein Thron früher erledigt, folgt eine Regentschaft.
Worin bestehn hauptsächlich die Geschäfte eines Königs? fragte Guido.
Er hat die Satzungen der drei Räthe entweder zu genehmigen oder zu verwerfen, und läßt sie in jenem Falle mit Machtvollkommenheit zur Vollziehung bringen, antwortete Gelino.
Aber könnten die Räthe nicht allein, durch Stimmenmehrheit, entscheiden, und mit Gewalt zum Vollbringen ausgerüstet sein? So bedürfte es keiner Könige.
„Trennungen, Partheigeist, Unruhen, sind dann, wie die Erfahrung bewies, leicht die Folge. Wir würden sie zwar weniger zu fürchten haben, als jene Zeiten, da beim Einzelnen die Sinnlichkeit selten, die Vernunft meistens den herrschenden Zügel führt, aber wenn alle Gewalten
in eine Spitze auslaufen, ist die Rückwirkung nachdrücklicher.“
Beschränken übrigens diese Räthe den König?
„In Nichts, er kann sie sogar aufheben, mit andern Formen vertauschen, die er zuträglicher findet. Doch seit länger als einem Jahrhundert ließ sie jeder Monarch unangetastet weil er die Trefflichkeit der Einrichtung nicht verkennen konnte. Denn, will sich der Monarch selbst am Besten befinden, muß er am vollkommensten mit dem Ganzen verinnigt sein. Die Räthe sind das Mittel dazu. Sie füllen den Raum vom Schlußstein der Piramide bis an ihre Ausbreitung, bilden diese vielmehr selbst. Unabhängige Gewalt ist den Königen darum verliehen worden, damit desto weniger Reitz zu ihrem Mißbrauch entstehen könne. Wer alles hat, kann nichts mehr fordern wollen. Die gute Verwaltung ist ihnen durch die Umstände auferlegt, denn verwalten sie schlecht, verlieren sie mit dem Ganzen, und ihr Nachruhm schwindet auch hin. Doch ein Opfer müssen sie für den überwiegenden Genuß von Rechten, gegen andere Bürger, bringen. Es ist hart, allein ihre Vernunft muß die Güte des Opfers einsehn, und
die Könige, auch ohnehin in Europa Republikaner, werden es dadurch gewissermaaßen noch mehr. Sie müssen sich — dies ist Reichsgesetz und wird im Fall der Widersetzung durch die Gesammtkraft vollzogen — der Süßigkeit entübrigen, ihre Kinder um sich zu sehn. Diese werden, wie du schon erfahren hast, besonders erzogen, und das Gemeinwesen kann nur, vollkommen beruhigt, Machtvollkommenheit vertrauen, wenn sie überzeugt ist, sie der Einsicht zu übertragen.“
Welche Einkünfte genießen die Könige?