„Den Hunderttheil von allem Erwerb im Lande. Je bevölkerter und regsamer das Land ist, je höher steigt ihr Gewinn, also liegt es in der Natur ihres eigenen Vortheils, die Menschenzahl, durch Erweiterung der Subsistenz zu mehren, und die möglichste Freiheit zu ihrer Bereicherung zu gestatten. Und dies ist denn auch die beste Regierung. Geitz wäre Thorheit, und Thoren können die Throne einmal nicht besteigen, Verschwendung eben so, daher sieht man Ueberall gute Haushaltung, weil ihr Vortheil, ihr Ruhm, sie den Königen auferlegt.

Fremdes Eigenthum an sich reißen zu wollen,

kann ihnen nicht einfallen, denn die Unsicherheit desselben würde ohne Zweifel alle Betriebsamkeit lähmen, und sie um so viel im Ganzen verarmen, als sie im Einzelnen ungerecht sich bereicherten.“

Welche Ausgaben bestreiten die Könige?

„Sie solden die Räthe, ihre Hofhaltung, und legen eine jährliche Summe in den Gesammtschatz von Europa, den Krieg bestreiten zu helfen, wenn er gegen andere Erdtheile nothwendig wird.“

Von den drei Räthen habe ich manches erfahren, doch wünschte ich, du nenntest mir ihre eigentliche Bestimmung genau.

„Sie sind mit der Religion oder Moral, was Eines und Dasselbe geachtet wird, verbunden, und die Klugheit gilt auch wieder eben so viel. Die höhere Religion, auch mit dem alten Namen Philosophie benannt, ist vom Irdischen abgezogen, hat darauf keinen vom Staat gelenkten Einfluß, jeder Einzelne mag zu seiner inneren Würdigung davon zu erkennen suchen, was er vermag, die Feste des höchsten Wesens, vom Volke unter dem Himmelgewölbe begangen, sind ohne Priester, ohne Kultus, jeder feiert dort mit dem Herzen. Alles das ist dir bekannt,

und du hast das heilige Grauen, die Wonneschauer eingestanden, welche bei solchem Anlaß über dich kamen. Doch die irdische Religion, in drei Tempelsatzungen getheilt, bestimmt, das Leben schöner mit der Idee zu gatten, steigt auf zur Verehrung hoher Simbole und auch wieder nieder in die Welt vorhandener Dinge, kräftiger und erleuchteter zu heiligen. Du knietest oft gerührt im Christustempel, dem ersten von allen. Seine Priester haben einen obern Sinod, aus den würdigsten gewählt, sitzend im Obertempel, in der Hauptstadt des Monarchen. Christus ist uns Heros, oder Beschützer und Verklärer der Erziehung und des Brudersinnes. In seinem Geist, und auf den Zeitfortgang merkend, haben also die Würdigen aus denen jener Sinod zusammen gestellt ist, über Erziehung und Brudersinn zu wachen, dem Volke Freiheit und Kunde zu ihrer Verbesserung, auf jede Weise zu bereiten, es durch Rath und auch durch Beispiel zu erleuchten, dem Fürsten Nachricht von allen Fortschritten zu geben, Vorschläge darzubringen, wie neue Stufen der Vollkommenheit zu ersteigen sind. Das Wort Erziehung hat aber einen weiten Umfang. Es begreift

nicht nur die Abhärtung und Bildung der Jugend, auch die Erziehung des Geschlechtes durch höheren moralischen Adel zu glücklicherer Wohlfahrt. Dies kann auf keinem anderen Wege geschehen, als wenn Arbeitsamkeit zuvor den Gewinn der Lebensnothwendigkeiten erhöht. Daher stehen nicht nur die Schulen, sondern auch der Landbau, und alle nützlichen Handwerke, unter der Leitung des Christustempels. Der obere Rath spaltet sich in die besonderen Kammern und hält in den einzelnen Bezirken untere Verweser, gemeinhin Tempeldiener zugleich, welche heilsame Sorge tragen, und vorzüglich ihrem Beruf darin nachkommen, daß sie den weisesten Aufflug in Allem beachten, ihm, nach weisen Anzeigen, so viel als möglich die Richtung geben, und, indem alle Weisheit in ihre Körperschaft strömt, diese auch wieder der Quell sei, aus welchem das Volk schöpfen könne. Der Brudersinn ist zum Gedeihen aller Volkthätigkeit nothwendig, weil ohne ihn, ein Theil dem andern, überall Hindernisse legen würde. Er folgt jedoch aus ihrer höheren Vollkommenheit von selbst, denn weil alsdann die Noth um das Mein und Dein, sich immer mehr verringern muß, sind die Hauptwurzeln

aller Feindseligkeit auch immer mehr vertilgt. Ermahnungen in frommen, verständigen, öffentlichen Reden, Belebung des Funkens der Menschenliebe in jeder Brust, durch Lehre und Beispiel, die rührenden Künste zur Mitwirkung rufend, werden keineswegs versäumt; doch strebt man am mühsamsten, die Triebe der Selbsterhaltung und Geselligkeit, dem Sterblichen durch die Hand der Natur gegeben, in Einklang zu bringen, wobei das Uebrige sich ziemlich allein giebt. Du lerntest nun übersichtlich den ersten Rath der Könige und seine ausgebreiteten Verwaltungzweige kennen. — Der zweite Rath hängt mit der Verehrung des Moses zusammen. Dieser ist Heros der Gewalt, des Rechtes. Insofern sich dies auf den Krieg bezieht, schweige ich, es wurde dir im großen Feldlager kund. Reden wir von dem bürgerlichen Eingriff. Wie schon in Europa uns ein weit größeres, vollständigeres Leben zu Theil wurde, das immer neue Verhältnisse schafft, und immer mehr, den Lebenserwerb bequemer gestaltende, Einsichten hervorbringt; wie glücklich die, von Wahn gereinigte und durch die Künste veredelte Religion, in einen reinen Antrieb zum freien Guten umgewandelt ist; in