hatte er dies erwartet. Um so erschütterter mußte er sein, als der Gram über des Vaters Tod ihn wirklich tief verwundet hatte. Dennoch galt keine Einwendung gegen das Machturtheil, er durfte die Ehrfurcht dagegen nicht verletzen, und sich, wie ihm geboten worden, auf die neue Prüfung vorbereiten.

Still ging er nach einer Verneigung mit seinem Gefolge davon. Das im Saal versammelte Volk, sonst gewohnt, die Aussprüche welche ihm gerecht schienen, mit lautem Beifall zu begrüßen, verhielt sich diesmal still, und schonte so des Prinzen. Doch nicht, als ob es nicht vollkommen mit dem Völkertribunal wäre zufrieden gewesen, sondern, weil es in diesem zarten Betragen, den Manen des Königs eine Huldigung darbringen wollte.

In älteren Zeiten würde ein solches Bundesgericht wohl schwerlich seine Bestimmung erfüllt haben. Die Macht des Goldes hätte ohne Zweifel seine Sprüche gelenkt. Allein man wählte die tugendhaftesten Männer zu den Richterstellen. Und das ein und zwanzigste Jahrhundert hatte in der Kunst, die Tugend zu bilden, Fortschritte gemacht, die das achtzehnte oder neunzehnte

nicht ahnen konnte. Dann wechselte man sie oft und unvermuthet. Ferner hatten sie den feinen Takt des Volkes zu fürchten, das über die Gerechtigkeit ihrer Verhandlungen scharf fühlte, und ihre Ehrliebe hätte ein mißbilligend Geräusch, seit länger als einem Jahrhunderte nicht erfolgt, kaum getragen. Eben auch stand dem Kaiser das Recht zu, den mit der Strafe ewiger Entehrung zu belegen, der nicht furchtlose Tugend zu seiner Richtschnur wählte. Endlich durften die Könige insgesammt, wenn ihre Stimmenmehrheit das Verfahren dieses Gerichtes tadelnswürdig fand, Einspruch thun, und sich selbst in seinem Pallaste versammeln, um statt desselben zu richten, wo denn der Kaiser in Person vorsaß und das Recht der Billigung oder Verwerfung übte. Alle diese Maaßregeln erhielten die Ehre des Senats unsträflich.

Guido redete viel mit seinem Lehrer über die Antworten des Thronkandidaten. Er behauptete sehr keck, sie besser gegeben haben zu würden, und Gelino ermahnte ihn, im Gefühl seines Feuers auch nicht weiter zu dringen als Bescheidenheit es gestatte.

Aber, rief der Jüngling, war es denn nicht

eben Bescheidenheit, was die Väter an dem Königsohn straften?

Allerdings, doch seine Geburt, sein Beruf, die Jahre welche er vor dir voraus hat, leiteten des Tribunals Urtheil. Du aber, den kein Purpur erwartet, sollst mehr streben als wähnen erstrebt zu haben.

Ich strebe fort, guter Lehrer, entgegnete der Jüngling, aber ich weiß auch, daß ich schon erstrebte.

Dann ward er nachdenkend, und rief, in einigen Schmerz aufwallend: O es muß göttlich sein, von einem Throne herab zu gebieten!