Auch er faßte mich ins Auge, und ich war schon an ihm vorübergegangen, als wir Beide zugleich still standen und nach einander umblickten. Jetzt rief er meinen Namen. Auch die Stimme tönte mir bekannt, doch schwach und hohl. Ich ging zu ihm, und sagte: »Verzeihen Sie, mein Herr; ich soll die Ehre haben, Sie zu kennen, und besinne mich doch nicht gleich ...«
Haben Sie Ihren alten Freund Lilienthal vergessen? Mit diesen Worten unterbrach er mich.
Ich trat staunend zurück, und konnte kein Wort sagen.
Ja, fing er lächelnd wieder an, ich habe mich wohl ziemlich verändert. Sie aber scheinen noch ganz munter. Noch nicht einmal, wie ich sehe, Ein graues Haar. (Das seinige war schon zur Hälfte bleich.)
Ich umarmte ihn nun, und stotterte: »Nein – das hätte ich nicht gedacht – und wie gehts? Mit welchem Titel hat man Sie anzureden?«
Er antwortete: Es geht verdammt schlecht. Ich bin invalider, pensionirter Hauptmann.
»Verwundet im Kriege?«
Nein, die Gicht hat es mir gethan. Da muß ich mich nun mit dem schmalen Gnadengehalt hinstümpern. Und wenn ich ihn noch ganz bekäme! So wird mir aber noch für meine Gläubiger die Hälfte abgezogen.
»Freund – ich beklage unendlich, Sie nicht in einem glücklichern Zustande wiederzusehn.«
So geht es nun schon einmal. Wenn man in der Jugend zu rasch gelebt hat, wird man früh alt.