Wilhelmine biß sich ein wenig in die Lippen; es fiel ihr schwer, eine Antwort zu geben. Neid war nicht im Spiel; eines so gehässigen Charakterzuges war sie nicht fähig. Aber einige Spuren von verwundeter, weiblicher Eitelkeit las ich in ihren Augen, als sie über diesen Gegenstand reden sollte. Ihre widrige Empfindung unter einem Lächeln zu verbergen bemüht, hob sie endlich an: Charlotte ist lange verheirathet.
»So hat sie doch einen Mann gefunden? Das freut, und – wundert mich.«
Glücklich verheirathet, wenigstens reich – nein, in der That auch glücklich; die Gemüthsart ihres Mannes paßt zu der ihrigen.
»Reich obenein? Das Mädchenglück hat auch seine Launen.«
Und oft gar seltsame.
»Wer ist denn Charlottens Mann? Habe ich ihn gekannt?«
O ja! Du wirst Dich bei seinem Namen wundern. Herr von Soldin.
»Ist das Scherz oder Ernst?«
Warum sollte ich Scherz treiben!
»Ich meinte – es hatte so ein Ansehn, und man konnte es unmöglich anders deuten – er habe Absichten auf Dich ...«