Die häufigen Besuche galten Charlotten. Um sie bemühte er sich, als wir glaubten ....
»Wie konnte – fast möcht' ich sagen, das platte Geschöpf ihn anziehn!«
Ueber den Geschmack ist nicht zu streiten.
»Hm! – Du nanntest ihn immer geschmacklos. Er hat diesen Ausspruch bestätigt.«
Unbedeutende Mädchen finden oft leichter eine Heirath, als gebildete.
»Wie geht das zu? Etwa, weil es so wenig gebildete Männer giebt? Das ist wohl gewiß nicht die Ursache. Der gebildeten Männer müssen ja viel mehr seyn, als der gebildeten Mädchen; denn die Männer haben mehr Gelegenheit sich zu bilden. Oder sollte Mädchenbildung mehr bewundert, als geliebt seyn, ernste Neigung mehr verscheuchen, als befördern? Dies kann ich auch nicht glauben.«
Einen Grund findet man hier nicht leicht heraus; es bleibt nur dabei, daß nichts verschiedner als der Geschmack, und – daß die Liebe blind ist.
»Ach – meine Liebe war nicht blind. Emma hatte Schönheit, Verstand, und ihrem Herzen ließ sich kein Vorwurf machen. Oder – wäre meine Liebe in so fern doch blind gewesen, daß sie eine heimliche Anlage zur Verworfenheit nicht entdeckte? Hier fragt es sich gleichwohl immer noch: ob eine solche Anlage in der That vorhanden war, oder ob nur die Einflüsse eines dürftigen Zustands Emma zu dem hingezogen, was ihre Grundsätze einst verdammten. Zwar sollte man fast schließen, eine Anlage müsse vorhanden gewesen seyn; sonst wäre Emma nicht durch Armuth gefallen. Wohnen sonst doch Armuth und Tugend oft zusammen. Zwar vielleicht öfter, wenn Tugend zeitig an Armuth gewöhnt ist, als wenn sie sich erst dazu bequemen soll. Im letzten Falle wird Armuth auch oft eine gefährliche Klippe für die Tugend.«
Desto edler ist sie aber auch, wenn sie, wie ein Fels, dem Drange der Armuth widersteht.
»Freilich wohl. Will man indeß Entschuldigungen aufsuchen, so kann man es vorzüglich beredt, wo die Armuth zu nennen ist.«