Lund maß ihn vom Wirbel bis zu den Sohlen. Letztere waren etwas schadhaft, und dort die Haare ohne alle Zierlichkeit geordnet. Ein abgetragner Ueberrock von schlechtem Tuch kam hinzu. Dies Alles konnte dem Prüfenden schon gefallen. Der junge Mensch hielt, dem Ansehen nach, nicht auf windige Eleganz, und trug seine Kleidungsstücke so lange als möglich. Also konnte er sich auch mit wenigem Gehalt begnügen.

Herrisch fragte ihn Lund: ob er Zeugnisse aufzuweisen habe. Jener nahm deren mehrere aus einem wurmstichigen Taschenbuch. Sie waren von namhaften Häusern in Hamburg, Wien und Leipzig ausgestellt, wo der Jüngling conditionirt hatte, und klangen sehr löblich.

Lund hielt sie gegen das Fensterlicht, um zu sehen, ob auch nichts darin radirt und beliebig geändert sei. Dann fragte er barsch: »Aber warum blieb man nicht länger an einem Orte, und zieht umher, wie die Zigeuner?«

Bescheiden wurde ihm geantwortet: Um an verschiedenen Orten meine Kenntnisse zu erweitern.

Nun mußte der junge Mann zur Probe einige verwickelte Handelsrechnungen machen, oder lösen. Hierauf verstand sich Herr Lund; und er sah nun, daß es schnell, richtig, und mit einer saubern Handschrift vollzogen ward. Gleichwohl tadelte er Einiges daran.

Nun führte er den jungen Mann in seine Speicher und Niederlagen. Dort mußte er die Waaren nennen, ihre Güte beurtheilen, und ihre Preise abschätzen. Auch hier bestand er wenigstens ziemlich.

Lund schüttelte aber dennoch den Kopf, ging wieder mit ihm ins Comptoir, und verlangte Geschäftsbriefe in mehreren Sprachen, nach einem durch ihn bestimmten Inhalt.

Sie waren bald vollendet, und hatten ein zierliches Ansehn. Selbst konnte Lund sie nicht beurtheilen, und beschied deshalb Jenen auf den folgenden Tag wieder zu sich.

Unterdessen zeigte er die Briefe einigen Kaufleuten und Mäklern, die fremde Sprachen verstanden, und hörte, daß nichts daran zu tadeln sei.

Ketter – so hieß der junge Mann – fand sich um die bestimmte Zeit wieder ein.